Die menschliche Wirbelsäule ist das zentrale Stützelement unseres Körpers. Sie ermöglicht uns den aufrechten Gang und schützt gleichzeitig wichtige Nervenbahnen. Rückenschmerzen sind nach einer Erkältung der zweithäufigste Grund, warum Patienten einen Arzt aufzusuchen. Daher ist es besonders wichtig, sich gründlich mit Erkrankungen der Wirbelsäule auseinanderzusetzen.
Dr. Markus von Haken
Ärztliche Leitung Wirbelsäulenchirurgie
Dr. Frank Rommel
Ärztliche Leitung Wirbelsäulenchirurgie
Um zu verstehen, wie Rückenschmerzen entstehen, lohnt sich ein Blick auf das Thema Anatomie bzw. den Aufbau der Wirbelsäule. Unsere Achse besteht aus knöchernen Wirbelkörpern und elastischen Stoßdämpfern dazwischen – den Bandscheiben. Eng mit der Knochenstruktur verbunden ist das Nervensystem, da das Rückenmark direkt durch den inneren Wirbelkanal verläuft. Leider ist dieses komplexe System im Laufe des Lebens anfällig für Verschleiß und Erkrankungen.
Rückenschmerzen entstehen in den allermeisten Fällen durch ein Zusammenspiel aus Bewegungsmangel, Muskelverspannungen und Fehlbelastungen im Alltag. Mediziner unterscheiden grundsätzlich zwischen zwei Hauptformen: den unspezifischen und den spezifischen Rückenschmerzen:
Unspezifische Rückenschmerzen (ca. 80–90 % aller Fälle): Bei dieser Form lässt sich keine eindeutige organische Schädigung als Auslöser feststellen. Stattdessen spielen funktionelle Probleme die Hauptrolle wie muskuläre Dysbalancen und Verspannungen, Überlastung im Alltag,psychische Belastungen
Spezifische Rückenschmerzen (ca. 10–20 % aller Fälle): Hier liegt eine konkrete, medizinisch nachweisbare Ursache an der Wirbelsäule, den Gelenken oder anderen Organen vor, dazu zählen Bandscheibenschäden (z.B. Bandscheibenvorfall), Verschleiß/Degenerative Veränderungen (z.B. Arthrose, Osteochondrose oder Spinalkanalstenose) oder andere Grunderkrankungen (z. B. Morbus Bechterew oder Osteoporose)
Neben diesen degenerativen Prozessen gibt es auch gutartige Veränderungen wie ein Hämangiom (ein harmloser Blutsschwamm im Knochen) oder seltener bösartige Erkrankungen wie ein Tumor an der Wirbelsäule oder Metastasen, die von anderen Organen streuen.
Die Verspannung betrifft meist die sogenannte autochthone Rückenmuskulatur (Rückenstrecker), die für die Stabilität und Aufrichtung des Körpers zuständig ist. Durch Fehlbelastungen, Bewegungsmangel oder Stress verkrampfen diese tiefen Muskelgruppen, was zu schmerzhaften Verhärtungen (Myogelosen) führt
Diese haben ihre Ursache meist in akuten muskulären Verspannungen oder funktionellen Blockaden der Brustwirbelsäule (BWS). In den allermeisten Fällen stecken harmlose, aber schmerzhafte Überlastungen dahinter. Da in diesem Bereich jedoch auch Schmerzen von inneren Organen spürbar werden können, ist eine genaue Unterscheidung wichtig
Der gallertige Kern einer Bandscheibe tritt durch den faserigen Außenring und drückt auf umliegende Nerven oder das Rückenmark. Häufig betroffen sind Lenden- und Halswirbelsäule, was zu ausstrahlenden Schmerzen und Taubheitsgefühlen führen kann
Eine Erkrankung des Nervensystems im Bereich der Wirbelsäule betrifft das Rückenmark (Myelopathie) oder die davon abgehenden Nervenwurzeln (Radikulopathie). Da die Wirbelsäule als Schutzhülle für diese zentralen Nervenbahnen dient, führen Veränderungen am Knochen- und Bandscheibenapparat sehr häufig zu einer gefährlichen Einengung des Nervengewebes. Die wichtigsten Formen und neurologischen Syndrome sind die Radikulopathie (Nervenwurzelkompression) oder die Myelopathie (Rückenmarksschädigung)
Eine chronische Verengung des Wirbelkanals, meist bedingt durch Verschleiß der Gelenke und Bänder. Typisch ist die sogenannte „Schaufensterkrankheit“: Schmerzen und Schwäche in den Beinen, die beim Gehen zunehmen und sich beim Vornüberbeugen bessern
Der Verschleiß der kleinen Facettengelenke zwischen den Wirbelkörpern führt zu lokalen Rückenschmerzen und spürbarer Morgensteifigkeit
Ein Wirbelkörper verschiebt sich instabilitätsbedingt nach vorne oder hinten über den darunterliegenden Wirbel, was Nerven einklemmen kann
Eine dauerhafte seitliche Verbiegung der Wirbelsäule, die meist mit einer Verdrehung der Wirbelkörper einhergeht
Eine Wachstumsstörung der Wirbelsäule im Jugendalter, die zu einer verstärkten Rundrückenbildung (Hyperkyphose) in der Brustwirbelsäule führt
Der systemische Verlust von Knochenmasse macht die Wirbelkörper porös. Dies führt häufig zu schmerzhaften Sinterungs- bzw. Kompressionsfrakturen (Einbrüchen der Wirbelkörper) schon bei geringer Belastung wie Husten oder Heben
Eine chronisch-entzündliche, autoimmune Erkrankung, die zu einer fortschreitenden Versteifung der Wirbelsäule und der Kreuz-Darmbein-Gelenke führt
Gutartiger Tumor, der aus einer Ansammlung neu gebildeter Blutgefäße im Inneren eines Wirbelknochens besteht. Umgangssprachlich wird es oft als „Blutschwämmchen im Knochen“ bezeichnet. Es handelt sich dabei um die häufigste gutartige Knochenveränderung an der Wirbelsäule
Hierbei handelt es sich um Wucherungen, die direkt aus den Zellen der Wirbelknochen, des Rückenmarks oder der Nervenbahnen entstehen. Sie können gutartig (benigne) oder bösartig (maligne) sein
Dies sind immer bösartige Absiedlungen eines Tumors, der sich ursprünglich in einem anderen Organ befindet. Die Krebszellen wandern meist über die Blut- oder Lymphbahnen in die Wirbelknochen ein. Die häufigsten Ursprungstumoren sind Brustkrebs (Mammakarzinom), Prostatakrebs, Lungenkrebs (Bronchialkarzinom) oder Nierenkrebs
All diese Veränderungen und Erkrankungen rufen oft quälende Schmerzen hervor. Die Symptome können dabei sehr vielseitig sein. Rückenschmerzen können sich je nach Ursache völlig unterschiedlich anfühlen. Die Symptome hängen stark davon ab, ob Muskeln, Nerven, Bandscheiben oder Gelenke betroffen sind:
Bestehen die Beschwerden länger, ist eine genaue Diagnostik wichtig. Der Goldstandard hierfür ist ein MRT (Magnetresonanztomographie) der Wirbelsäule, da dieses bildgebende Verfahren Weichteile wie Bandscheiben und Nerven besonders detailliert darstellt.
Sobald die Ursache feststeht, stellt sich die Frage, was tun. Neben Wärmeanwendungen helfen als erste Schritte bei akuten Beschwerden oft gezielte Übungen, um die Tiefenmuskulatur zu stärken. Professionelle Massagen oder Physiotherapie können chronische Verhärtungen gezielt aufbrechen. Bringt Bewegung allein keine Besserung, kann eine gezielte Schmerztherapie helfen, wie etwa eine Infiltration der Wirbelsäule. Dahinter verbirgt sich eine spezifische Spritzenbehandlung, bei der entzündungshemmende Medikamente millimetergenau an die betroffenen Wirbelgelenke (Facettensyndrom) injiziert werden.
Erst wenn alle konservativen Maßnahmen versagen oder neurologische Ausfälle drohen, wird eine Wirbelsäule-Operation in Betracht gezogen.
Dank des medizinischen Fortschritts können heute viele Eingriffe hochpräzise durchgeführt werden. Dazu gehören mikrochirurgische Bandscheibenoperationen, bei denen der Vorfall unter einem Hochleistungsmikroskop über einen winzigen Hautschnitt entfernt wird. Auch eine minimalinvasive Operation (Spinalkanalstenose) ermöglicht es, die eingeengten Nervenbahnen sicher zu entlasten, ohne die Stabilität der Umgebung zu gefährden. Bei schwerer, fortgeschrittener Instabilität kann jedoch eine Versteifung der Wirbelsäule (Spondylodese) notwendig sein. Die Entscheidung, die Wirbelsäule versteifen zu lassen, bleibt in der modernen Medizin jedoch stets die letzte Option, um Betroffenen dauerhaft ihre Lebensqualität und Mobilität zurückzugeben. Steht ein solcher Eingriff im Raum, nutzen viele Patienten das Recht auf eine Zweitmeinung, um sich zusätzliche Sicherheit und Unabhängigkeit bei der Entscheidungsfindung zu verschaffen. Ein hochspezialisierter Ansprechpartner für solche Fälle ist die Wirbelsäulenchirurgie an den GRN-Klinik Schwetzingen und Weinheim, die auf modernste, gewebeschonende Verfahren spezialisiert ist.
Als neurochirurgisches Wirbelsäulenzentrum bieten wir Ihnen eine umfassende, patientenorientierte Betreuung von der Diagnosestellung sämtlicher Erkrankungen der Wirbelsäule über konservative Therapien bis hin zur operativen Nachsorge. Als anerkannte Spezialisten mit langjähriger Erfahrung auf dem Gebiet der Wirbelsäulenchirurgie bietet das Team der Wirbelsäulenchirurgie an den GRN-Klinik Schwetzingen und Weinheim das gesamte Behandlungsspektrum mit den modernsten Operationstechniken an. Schwerpunkte sind dabei schonende minimal-invasive, mikrochirurgische und endoskopische Verfahren. Ebenso routiniert führen die Experten der Fachabteilung offene Operationsverfahren an der Wirbelsäule durch. Nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf und vereinbaren Sie einen Termin in unserer Sprechstunde. Wir bieten Ihnen gerne auch die Möglichkeit einer Zweitmeinung im Falle einer Wirbelsäulenoperation.