Herr Just, seit Mai sind Sie Landrat des Rhein-Neckar-Kreises. Gab es von Ihrem Vorgänger Stefan Dallinger eine Einarbeitung im klassischen Sinn?
Landrat Manuel Just: Ich wurde von meinem Vorgänger Stefan Dallinger strukturiert eingearbeitet und übernehme ein hervorragend aufgestelltes Haus. Dieses gilt in es in den kommenden Jahren weiterzuentwickeln. Dabei werde ich gewiss nicht alles auf den Kopf stellen, sondern Dinge genau hinterfragen. Wir werden jeden Stein umdrehen und Dinge erneut bewerten. Veränderungen gibt es aber nur, wenn neue Lösungen tatsächlich Besserung versprechen.
Eines der wichtigsten Themen ist auch im bevölkerungsreichsten Landkreis Baden-Württembergs Gesundheit und speziell das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG). Was sagen Sie zur geplanten Neuausrichtung GRN 4 Future?
Landrat Manuel Just: Die GRN-Kliniken in Sinsheim, Schwetzingen, Weinheim und Eberbach haben in den vergangenen Jahren Millionendefizite verzeichnet. Eine Neuausrichtung unter dem Titel „GRN4Future“ soll sie zukunftsfest machen. Die vier GRN-Kliniken in ruhigeres Fahrwasser zu steuern, wird eine der ersten großen Herausforderungen werden. Ziel ist es, alle vier Standorte zu erhalten und dort auch künftig eine ärztliche Versorgung auf höchstem Niveau anzubieten. Dies wird nur dann gelingen, wenn Bund und Länder endlich wieder ihren Verpflichtungen gerecht werden. Die Gesundheit der Menschen und die wirtschaftliche Ausrichtung der Krankenversorgung dürfen kein Spielball politischer Ebenen sein.
Wie laufen denn die Gespräche mit dem baden-württembergischen Sozialministerium, das für die Krankenhausplanung im Land zuständig ist?
Landrat Manuel Just: Die Anhörungsbescheide sind den GRN Gesundheitszentren im September vergangenen Jahres zugegangen. Mit diesen konnten Leistungsgruppen beantragt werden. Aktuell finden die Prüfungen der Qualitätskriterien durch den Medizinischen Dienst statt. Die finale Zuteilung ist für Ende dieses Jahres geplant.
Welche Themen stehen noch ganz oben auf der Liste?
Landrat Manuel Just: Kernthemen, denen wir uns besonders widmen, werden neben Gesundheit die Bereiche Klimaschutz, Bildung, Mobilität und Wirtschaftsförderung sein, weil diese das Leben der Bewohner im Rhein-Neckar-Kreis unmittelbar beeinflussen. Die größte Herausforderung wird die Haushaltskonsolidierung sein. Um Prozesse künftig effizienter zu gestalten, möchte ich die Bereiche Digitalisierung und KI weiterentwickeln und für uns nutzen.
Als Landrat sind Sie auch im GRN-Aufsichtsrat. Sie hatten ja bereits das Seniorenzentrum Schwetzingen als designierter Landrat besucht. Konnten Sie schon Einblicke an allen vier GRN-Standorten bekommen?
Landrat Manuel Just: Leider noch nicht vollumfänglich. Ich kenne zwar die Standorte teilweise aus meinen bisherigen Rollen als Oberbürgermeister, Aufsichtsratsmitglied und Bürger, jedoch keineswegs so umfassend wie es als Aufsichtsratsvorsitzender erforderlich ist. Dies werde ich jedoch in den kommenden Wochen nachholen.
Sie waren sieben Jahre lang Oberbürgermeister der Stadt Weinheim. Welche Verbindung haben Sie denn zur GRN-Klinik Weinheim?
Landrat Manuel Just: Ich war in den Jahren als Oberbürgermeister mehrfach vor Ort. Auch als Besucher kenne ich die Klinik. Erfreulicherweise benötigte ich eine medizinische Versorgung bislang noch nicht. Aber letztendlich weiß ich demzufolge um die Bedeutung der Klinik für die Menschen in der Stadt und der Region. Sie bietet ihnen Sicherheit auf einem hohen medizinischen Niveau.
Was haben Sie aus Ihrer Zeit als Oberbürgermeister von den Bürgerinnen und Bürgern für Sorgen, Hoffnungen, Wünsche in Bezug auf das Gesundheitswesen im Rhein-Neckar-Kreis mitbekommen?
Landrat Manuel Just: Der Austausch mit den Menschen im Rhein-Neckar-Kreis, das Miteinander war und ist mir sehr wichtig! Mit Blick auf das Gesundheitswesen wünschen sich die Menschen Sicherheit und kurze Wege. Insofern können die anstehenden Aufgaben einer Neuausrichtung meines Erachtens nur im Schulterschluss zwischen Verwaltung, Kreistag, den Oberbürgermeistern sowie den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern sowie den Bürgerinnen und Bürgern gemeistert werden. Es wird nur gemeinsam gehen! Gleichzeitig müssen sich Bund und Länder darüber bewusst werden, dass die Versorgungssicherheit der Menschen Geld kostet.
Zum Schluss eine private Frage: Was ist Ihr Lieblingsort im Rhein-Neckar-Kreis?
Landrat Manuel Just: Einen einzigen Lieblingsort zu nennen, fällt mir im Rhein-Neckar-Kreis schwer. Dafür ist unser Landkreis zu vielfältig. Ich genieße den Blick von den Höhen des Odenwalds ebenso wie die Weite der Rheinebene, schlendere gerne durch die historischen Ortskerne unserer Städte und Gemeinden oder bin auf den Wanderwegen entlang der Bergstraße unterwegs. Besonders schätze ich Orte, an denen man die Lebensqualität und den Zusammenhalt in unserem Kreis spürt – sei es bei einer Veranstaltung oder einem Fest in den Kommunen vor Ort oder in der Natur. Genau diese Vielfalt macht den Rhein-Neckar-Kreis und seine Städte und Gemeinden für mich zu einem ganz besonderen Ort.