Großer Andrang beim onkologischen Patiententag

Individuelle Wege in der modernen Krebsmedizin

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Wie vielfältig die moderne Krebsmedizin heute ist und welche Unterstützung Betroffenen auf ihrem Weg zur Verfügung steht, stand im Mittelpunkt des onkologischen Patiententags der GRN-Klinik Sinsheim am vergangenen Samstag. Bis zu 150 Interessierte und Betroffene kamen in der Dr.-Sieber-Halle zusammen, um sich über moderne Krebstherapien, Vorsorge und unterstützende Angebote zu informieren. Die vielen Vorträge und zahlreichen Ausstellerangebote fügten sich im großen Saal in eine offene und einladende Atmosphäre ein.

Passend zum Pinktober, dem internationalen Aktionsmonat zur Sensibilisierung für Brustkrebs, setzte der Patiententag ein besonderes Zeichen für Solidarität und Zusammenhalt. Mit viel Herzblut, Kreativität und Eigeninitiative hatte das Team des Brustzentrums der GRN-Klinik Sinsheim einen stimmungsvollen Rahmen geschaffen. Selbstgebackene Muffins, zahlreiche Ideen und liebevoll gestaltete Aktionen machten das Engagement der Mitarbeitenden sichtbar und verliehen dem Patiententag eine ganz persönliche Note. Auch die Selbsthilfegruppe war mit an Bord. Zahlreiche ehemalige Patientinnen kamen in Pink gekleidet zusammen und beteiligten sich gemeinsam an der Gestaltung einer menschlichen Brustkrebsschleife. Damit setzten sie ein eindrucksvolles Zeichen für Solidarität, Zusammenhalt und die Bedeutung eines offenen Umgangs mit der Erkrankung.

Der onkologische Patienteninfotag bot Raum für Information, persönliche Begegnungen und den Austausch mit Fachleuten. Dabei wurde deutlich: Moderne Krebsmedizin bedeutet mehr als die Behandlung eines Tumors – auch Lebensqualität, psychische Unterstützung und Zuversicht gehören dazu.

Den Auftakt machte Dr. Jan Voegele, Chefarzt der Urologie an der GRN-Klinik Eberbach. Er informierte über das Prostatakarzinom, mit rund 77.000 Neuerkrankungen jährlich die häufigste Krebsart bei Männern. Risikofaktoren, familiäre Vorbelastung und Früherkennung spielen eine wichtige Rolle. Früherkennung ist entscheidend, aber nicht dasselbe wie Prävention durch eine gesunde Lebensweise. Zur Diagnostik gehört unter anderem die Bestimmung des PSA-Wertes im Blut. Ein erhöhter Wert bedeutet nicht automatisch Krebs. Je früher ein Tumor erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. 

Nadine A. Michel erläuterte die personalisierte Behandlung gynäkologischer Tumoren. Jährlich erkranken in Deutschland rund 75.000 Frauen an Brustkrebs und etwa 11.000 an Gebärmutterkörperkrebs. Tumorbiologie, genetische Faktoren und persönliche Voraussetzungen beeinflussen die Therapieentscheidung. Entscheidend ist eine auf die einzelne Patientin abgestimmte Behandlung statt eines Schemas für alle. Die gute Nachricht: Es gibt heute mehr Hoffnung, mehr Heilung und mehr Langzeitüberlebende als je zuvor. Dr. Maren Hogg, Oberärztin der Geriatrie Sinsheim zeigte, warum bei älteren Menschen nicht das Lebensalter allein über eine Krebstherapie entscheiden darf. Begleiterkrankungen, Selbstständigkeit, Belastbarkeit und persönliche Lebenssituation müssen berücksichtigt werden. Eine geriatrische Einschätzung hilft, Chancen und Risiken abzuwägen. Auch ältere Menschen sollen von der modernen Krebsmedizin profitieren. 

Dr. Erik-Sebastian Fuchs, Chefarzt der Gastroenterologie und Diabetologie der GRN-Klinik Sinsheim, unterstrich die Bedeutung der Darmkrebsvorsorge: Jährlich gibt es knapp 63.000 Neuerkrankungen und fast 25.000 Todesfälle durch Darmkrebs. Bei einer Darmspiegelung lassen sich Vorstufen wie Polypen erkennen und häufig direkt entfernen. Vorsorge kann Krebs verhindern und sollte nicht aus Angst oder Scham aufgeschoben werden.

Dr. Matthias Hassenpflug, Chefarzt der Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie und Ärztlicher Direktor der GRN-Klinik Sinsheim, beleuchtete Möglichkeiten und Grenzen der Darmkrebschirurgie. Ob eine OP sinnvoll ist, hängt u. a. vom Tumorstadium, möglichen Metastasen und dem Gesundheitszustand ab. Gute Chirurgie bedeutet, den Nutzen für den einzelnen Menschen abzuwägen, auch zu erkennen, wann ein Eingriff nicht der richtige Weg ist und die medizinisch sinnvollste Entscheidung zu treffen. 

Dr. Julia Kunz vom GRN MVZ Sinsheim zeigte am Beispiel des Lungenkrebses, wie sich moderne, personalisierte Therapien entwickelt haben. Neben der Chemotherapie eröffnen zielgerichtete Medikamente und Immuntherapien neue Behandlungswege. Welche Option geeignet ist, hängt unter anderem von den biologischen Eigenschaften des Tumors ab. Präzise Diagnostik und interdisziplinäre Zusammenarbeit bilden die Grundlage individueller Therapieentscheidungen.

Kathleen Boessmann, Psychoonkologin der GRN-Klinik Sinsheim, verdeutlichte, dass eine Krebsdiagnose nicht nur den Körper betrifft. Sie kann Angst, Unsicherheit und Überforderung auslösen. Psychoonkologische Unterstützung hilft Betroffenen und Angehörigen, mit diesen Belastungen umzugehen und eigene Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Jeder Mensch reagiert individuell – niemand muss damit allein bleiben.

Besonders bewegend und überwältigend war der Vortrag von Astrid Heinl, selbst Betroffene und Persönlichkeitstrainerin. Offen und kraftvoll erzählte sie von ihren Erfahrungen mit Brust- und Darmkrebs. Ihre mutmachende Botschaft: den eigenen Weg finden, Hilfe annehmen und trotz schwerer Zeiten Hoffnung und Humor bewahren. 

Dr. Mario Schubert, Chefarzt der MEDICLIN Kraichgau-Klinik Bad Rappenau, widmete sich der tumorassoziierten Fatigue – einer ausgeprägten körperlichen und geistigen Erschöpfung durch Krebs oder dessen Behandlung. Sie geht über normale Müdigkeit hinaus und kann die Lebensqualität erheblich einschränken. Wichtig ist, sie ernst zu nehmen und Betroffene gezielt zu unterstützen.

Dr. Damaris Köhler, leitende Ärztin des PalliativeCareTeams Kraichgau, schloss das Programm mit dem Thema frühzeitige palliative Mitbetreuung ab. Palliativversorgung bedeutet nicht, eine Behandlung aufzugeben. Sie kann vielmehr früh Beschwerden lindern, Lebensqualität erhalten und Betroffene wie Angehörige begleiten.

Der Patiententag zeigte eindrucksvoll, wie medizinische Kompetenz, moderne Onkologie und persönliche Zuwendung zusammenwirken. Die zentrale Botschaft: Jede Krebserkrankung verläuft anders – und jeder Mensch verdient eine Behandlung, die zu seiner Erkrankung, Lebenssituation und seinen Bedürfnissen passt. Früherkennung, personalisierte Therapien, altersgerechte Behandlung, psychoonkologische Unterstützung, Rehabilitation und Palliativmedizin tragen dazu bei, Heilungschancen und Lebensqualität zu verbessern.