Über 150 Ärztinnen, Ärzte und weitere Gesundheitsfachkräfte folgten der Einladung zum 3. Symposium der GRN-Akademie am vergangenen Samstag. Auch in diesem Jahr bot die Veranstaltung eine Plattform für fachlichen Dialog, gesundheitspolitische Perspektiven und aktuelle Entwicklungen in der Medizin. Neben dem wissenschaftlichen Programm stand vor allem der persönliche Austausch im Mittelpunkt.
Stefan Dallinger, scheidender Landrat, und Manuel Just, neu gewählter Landrat des Rhein-Neckar-Kreises, konnten nicht persönlich erscheinen, begrüßten die Teilnehmenden aber mit Videobotschaften. Die Kernbotschaft ist klar: Die Gesundheitszentren Rhein-Neckar sind ein unverzichtbarer Pfeiler der Gesundheitsversorgung im Rhein-Neckar-Kreis. Eine verlässliche und qualitativ gute medizinische Versorgung ist für viele Menschen ein grundlegender Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge.
Gesundheitspolitik im Fokus
Zum Auftakt widmete sich das Symposium den regionalen und überregionalen Entwicklungen im Gesundheitswesen. GRN-Geschäftsführerin Katharina Elbs gab ein Update zur Krankenhausstrukturreform 2026 und ordnete die aktuellen politischen Rahmenbedingungen für den GRN-Verbund ein. Im Zentrum standen strategische Herausforderungen, aber auch Gestaltungsspielräume für kommunale Klinikverbünde. Für die GRN bedeutet dies eine klare Ausrichtung: Alle Versorgungsstandorte sollen erhalten bleiben, zugleich werden Behandlungsschwerpunkte gebündelt. Ziel ist es, die Behandlungsqualität weiter zu steigern, Versorgung verlässlich zu sichern und attraktive Arbeitsbedingungen im Verbund zu schaffen.
Sven Mautner, Leiter des Ambulanten OP-Zentrums (AOZ) an der GRN-Klinik Schwetzingen, beleuchtete anschließend die Ambulantisierung als möglichen „Gamechanger“. Das AOZ arbeitet organisatorisch autark, Patientinnen und Patienten betreten für ihre Eingriffe nicht einmal das Klinikgebäude. Die eigenen OP-Kapazitäten entlasten die stationären Strukturen spürbar und reduzieren den Bedarf an Betten. „Wir haben extrem kurze Wege: Vom OP zum Aufwachraum sind es gerade einmal 13 Meter. Das ermöglicht einen schnellen Wechsel und eine hohe Taktung“, erklärte Mautner. Das wichtigste sei das eingespielte, verlässliche Team. Erst diese Struktur schaffe die notwendige Effizienz.
Neue Entwicklungen und Ergebnisse in der Medizin
Der zweite Programmblock stellte aktuelle medizinische Themen in den Mittelpunkt. Dr. Johann-Wilhelm Schmier, Ärztlicher Leiter des MVZs Sinsheim, sprach über Fortschritte in der „Precision Oncology“ und die wachsende Bedeutung molekularer Tumordiagnostik für individualisierte Therapiestrategien. Der selektive Medikamenteneinsatz, unabhängig vom betroffenen Organ, sei heute sehr wichtig für die Onkologie, so Dr. Schmier.
Dr. Christian Dietrich, leitender Oberarzt der Gastroenterologie der GRN-Klinik Sinsheim, stellte die Antibiotikatherapie 2026 vor. Die WHO beschreibt antibiotische Resistenz als eine der größten globalen Gesundheitsbedrohungen. Aus diesem Grund solle man gezielt deeskalieren und die Therapiedauer bewusst begrenzen.
Mit „Deprescribing im Alter“ widmete sich Dr. Andreas Baier, Chefarzt für Akutgeriatrie und Altersmedizin an der GRN-Klinik Schwetzingen, einem zentralen Thema in der geriatrischen Versorgung. Vor allem hochbetagte Patientinnen und Patienten profitieren davon, wenn bestehende Therapien regelmäßig überprüft und Medikamente gezielt angepasst oder reduziert werden. Voraussetzung dafür ist eine enge, transparente Kommunikation, sowohl im Behandlungsteam als auch mit Betroffenen und Angehörigen.
Schwerpunkt GRN-Klinik Weinheim
Am Nachmittag präsentierte die GRN-Klinik Weinheim ausgewählte Schwerpunkte ihrer klinischen Arbeit. Die Alterstraumatologie wurde von Dr. Martin Honsowitz, Chefarzt Orthopädie und Unfallchirurgie, und Dr. Florian von Pein, Chefarzt Altersmedizin und Geriatrische Rehabilitation, in einem humorvollen, aber auch fachlich fundierten Vortrag als gelebtes interdisziplinäres Projekt vorgestellt. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, der die Versorgungsrealität zunehmend prägt, zeigten beide, wie eng chirurgische und geriatrische Expertise heute verzahnt sein müssen. Gerade diese strukturierte Zusammenarbeit hebe den Standort hervor und sichere eine bedarfsgerechte Behandlung hochbetagter Patientinnen und Patienten.
Dr. Bettina Müller, Oberärztin Gynäkologie und Geburtshilfe, referierte über moderne Therapiekonzepte beim Mammakarzinom und aktuelle Entwicklungen in der gynäkologischen Onkologie. Dabei betonte sie, dass es notwendig sei, das rein operative Denken zu überwinden und verstärkt auf präzisionsonkologische, individuell zugeschnittene Behandlungskonzepte zu setzen.
Prof. Dr. Grigorios Korosoglou, Chefarzt Kardiologie und Angiologie an der GRN-Klinik Weinheim und Eberbach, stellte die CT-gestützte interventionelle Kardiologie vor und zeigte neue diagnostische und therapeutische Möglichkeiten auf. Durch die präzise Bildgebung lassen sich Eingriffe noch gezielter planen und besser individualisieren. Zugleich verwies er auf die besondere Stellung des Standorts: Die Klinik ist als Zentrum und Ausbildungsstätte für interventionelle Kardiologie zertifiziert, eine Auszeichnung, die die hohe fachliche Qualität des Angebots unterstreicht.
Die Qualität der Therapie des kolorektalen Karzinoms beleuchteten Prof. Dr. Christoph Eisenbach, Chefarzt Gastroenterologie und Diabetologie, und Prof. Dr. Torsten Wilhelm, Chefarzt Allgemein und Viszeralchirurgie, aus interdisziplinärer Perspektive. Sie machten deutlich, dass neben allen technischen Standards vor allem die Erfahrung der Untersuchenden entscheidend für die frühzeitige Erkennung des kolorektalen Karzinoms ist. Eine frühe Diagnose bildet wiederum die wesentliche Grundlage für eine erfolgreiche und qualitativ hochwertige Therapie.
Young GRN: Nachwuchs im Dialog
Im Format „Young GRN“ rückte bewusst die Perspektive von Medizinern U35 in den Mittelpunkt. Assistenzärztinnen und -ärzte aus dem GRN-Verbund stellten ihre spannendsten Fälle aus ihrem Klinikalltag vor und nahmen das Publikum mit in ihre diagnostischen Überlegungen und therapeutischen Entscheidungen.
Das Format bot Einblicke in klinische Entscheidungsprozesse aus Perspektive der jüngeren Generation und unterstrich die Bedeutung strukturierter Weiterbildung innerhalb des Verbunds. „Interdisziplinäre Kommunikation, auch über die einzelnen Kliniken hinweg, spart Zeit und reduziert Fehlversuche“, betonte Dr. Christiane Serf, Chefärztin Anästhesie der GRN-Klinik Sinsheim.
„Die Grenzen zwischen unseren vier Kliniken müssen in den Köpfen verschwinden. Medizinische Qualität entsteht heute im Verbund, nicht im Einzelhaus. Wir müssen als große medizinische Gemeinschaft denken und zeigen, welches Potenzial im GRN-Verbund steckt. Mit unserer Kompetenz brauchen wir uns keineswegs zu verstecken,“ unterstrich Prof. Dr. Eberhard Scholz, Initiator des Formats der GRN-Akademie und Chefarzt Kardiologie und Angiologie der GRN-Klinik Schwetzingen und Sinsheim, die strategische Bedeutung des Verbunds und der Akademie.
Neben dem wissenschaftlichen Programm blieb ausreichend Raum für persönliche Gespräche und Vernetzung. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen strukturellen Veränderungen im Gesundheitswesen zeigte sich erneut, wie wichtig der direkte fachliche Austausch ist.
Wer dieses Jahr nicht dabei sein konnte, kann sich den 27. Februar 2027 schon einmal im Kalender vormerken. Das 4. Symposium findet im kommenden Jahr in der Stadthalle in Eberbach statt.
Weitere Infos zur GRN-Akademie:
www.grn.de/grn-akademie