„Mutationen waren schon vorher in Deutschland, es wurde bloß nicht danach gesucht“

Dr. Johannes Berentelg zur aktuellen Lage in der GRN-Klinik Sinsheim und Hintergründen zu Corona-Mutationen


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In den GRN-Kliniken Sinsheim, Weinheim und Schwetzingen sind erste Mutationen des Corona-Virus aufgetaucht. 13 in Sinsheim, 5 in Weinheim und 2 in Schwetzingen. Aktuell werden in den drei Häusern noch 5 Patienten mit Corona-Mutationen behandelt. Wie es zum plötzlichen Auftauchen der Mutationen kam, welche Behandlung angezeigt ist und was die Klinik unternimmt, um Patienten und Mitarbeiter weiterhin zu schützen, berichtet Dr. Johannes Berentelg, Chefarzt der Inneren Medizin an der GRN-Klinik Sinsheim.

In den vergangenen Tagen war ein Rückgang der Corona-Fallzahlen zu beobachten und die Möglichkeit von Impfungen ließ Hoffnung schöpfen. Jetzt tauchen Mutationen auf. Wie kommt das?

Dr. Berentelg: Viren haben die Eigenart, sich zu verändern. Dies geschieht durch sogenannte Mutationen, also Veränderungen im Bereich der Gene und damit einhergehend eine Veränderung meistens der Oberflächeneigenschaften. Dies ist schon lange bei den Coronaviren bekannt und betrifft natürlich auch jetzt das SARS-Cov-2-Virus. Die Namen ergeben sich aus den Regionen, in denen sie zuerst festgestellt wurden, so zum Beispiel die britische, brasilianische oder südafrikanische Mutation.

Sind die Infizierten in Sinsheim von verschiedenen Virus-Mutationen betroffen?

Dr. Berentelg: Bei allen Betroffenen in der GRN-Klinik Sinsheim liegt die südafrikanische/brasilianische Variante vor.

Sind die Verläufe bei Corona-Mutationen schlimmer als bei der bisher bekannten Variante des Virus?

Dr. Berentelg: Wir beobachten bisher in der GRN-Klinik Sinsheim keinen schwereren Verlauf der Krankheit als bei den bisher bekannten Corona-Fällen. Auch nach jetzigem Kenntnisstand der Wissenschaft ist der Krankheitsverlauf nicht schlimmer, aber die Ansteckungsgefahr möglicherweise etwas höher. Bei dem südafrikanisch/brasilianischen Subtyp gibt es Hinweise darauf, dass die Antikörper, die der Körper nach einer Infektion oder einer Impfung bildet, nicht so gut wirksam sind wie beim „normalen“ Coronavirus. Dies sind allerdings nur bisherige Laborergebnisse, Studien gerade in Bezug auf die tatsächlich durchgeführte Impfung gibt es noch nicht. Ein konsequentes Einhalten der Hygieneregeln hat weiterhin oberste Priorität.

Werden die betroffenen Patienten auf der Isolier- oder auf der Intensivstation behandelt?

Dr. Berentelg: Zwei Patienten befinden sich auf der Intensivstation (davon eine Person beatmet), einer liegt auf der Normalstation.

Werden Betroffene mit einer Mutation anders behandelt als Patienten mit der bisherigen Variante des Corona-Virus?

Dr. Berentelg: Die Behandlung ist die gleiche. Patienten mit Covid-Mutationen werden aber, wenn möglich, von bereits geimpftem Personal oder jenen, die eine Covid-Infektion bereits hinter sich und Antikörper gebildet haben, versorgt. Auch versuchen wir derzeit, die Mutationen räumlich zu trennen. Das machen wir aus eigenem Antrieb. Hierfür gibt es aber aus wissenschaftlicher Sicht keine Notwendigkeit. Zudem halten wir weiterhin strikt die Corona-Regeln und Hygienevorschriften ein, um Patienten und Mitarbeiter bestmöglich zu schützen. Das ist das A und O.
Ist der Zeitraum, den ein Betroffener zur Genesung benötigt, anders als bei einem "normalen" Covid-19-Patienten?

Dr. Berentelg: Nach aktuellem Stand der Wissenschaft unterscheidet sich der Krankheitsverlauf von Covid-Patienten mit der bisher bekannten Variante nicht von solchen mit neu aufgetretenen Mutationen.

In der Klinik in Sinsheim sind die meisten Betroffenen festgestellt worden. Wie erklären Sie sich dies?

Dr. Berentelg: Das kann Zufall sein und muss nichts mit speziellen Verhältnissen hier in der Region zu tun haben. Möglich ist aber auch, dass wir stärker betroffen sind, weil unser Einzugsgebiet größer ist als das anderer Kliniken. Wir haben in der gesamten Corona-Pandemie verhältnismäßig viele Corona-Patienten behandelt. Das spiegelt sich jetzt möglicherweise auch in der Zahl der aufgetretenen Mutationen wider.

Wieso sind jetzt plötzlich so viele Virus-Mutationen in den Kliniken entdeckt worden?

Dr. Berentelg: Die Bundesregierung hat kürzlich angesichts der vermehrt auftretenden Zahl an Mutationen beschlossen, dass 5 Prozent der jüngsten positiven Corona-Proben auf Mutationen getestet werden sollten. Im Auftrag des Robert-Koch-Institutes hat unser Großlabor in Heidelberg zusätzlich den Auftrag bekommen, 3000 positive Patienten der vergangenen Wochen noch einmal retrospektiv zu testen. Dabei wurden in der Klinik Sinsheim in 9 Fällen Mutationen festgestellt (4 Mitarbeiter und 5 Patienten, davon liegen drei aktuell noch in der Klinik). Am Donnerstag wurden weitere vier Fälle von Mutationen bekannt: Es betrifft drei Mitarbeiter und einen Patienten, die sich inzwischen alle vier in häuslicher Quarantäne befinden.

Ich bin mir sicher, dass die drei GRN-Kliniken in Schwetzingen, Sinsheim und Weinheim nicht die einzigen Krankenhäuser der Region sind, in denen Covid-Mutationen aufgetaucht sind bzw. auftauchen. Wir gehen davon aus, dass die Mutationen auch schon vorher in Deutschland waren, es wurde bloß bisher nicht umfassend danach gesucht. Für die GRN-Klinik Sinsheim lässt sich sagen: Insgesamt ist es im Verhältnis immer noch ein kleiner Teil der betroffenen Patienten und Mitarbeiter. Man muss aber davon ausgehen, dass die Anzahl zunehmen wird.

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