GRN-Klinik Schwetzingen: Ein Jahr im Ausnahmezustand

Prof. Dr. Daniel Rost, Chefarzt für Innere Medizin, Gastroenterologie sowie Leiter des Krisenstabs Corona, und Privatdozent Dr. Christian Bopp, Chefarzt der Anästhesie und Intensivmedizin in der GRN-Klinik Schwetzingen, blicken auf über ein Jahr Pandemie zurück


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Nachdem Sie von den ersten Fällen in Deutschland und den Zuständen besonders in Italien gehört haben, wie haben Sie sich in Schwetzingen auf das, was kommt, eingestellt?

PD Dr. Christian Bopp: Bereits im Februar 2020 haben wir aufgrund des sich abzeichnenden Infektionsgeschehen in Asien und später in Europa zunächst klinikintern die Bedeutung für unsere Klinik und unsere Region analysiert, um eventuelle Folgen abzuschätzen und abzustimmen. Selbstverständlich hielten und halten wir Notfallpläne für verschiedene Katastrophenszenarien vor. Welche Dimension diese Pandemie annehmen wird, war uns initial jedoch damals nicht klar. Wir alle sind aber in einer enormen Geschwindigkeit in diese anhaltende Herausforderung Tag für Tag hineingewachsen. Wir initiierten schnell regelmäßige, teils tägliche Treffen des Krisenstabes. Wir haben uns sehr rasch GRN-weit abgestimmt, haben uns im Landkreis mit den anderen Kliniken und dem Gesundheitsamt eng vernetzt, Kommunikationswege, Strategien und Ad-hoc-Lösungen zur bestmöglichen Versorgung aller Patienten und Fürsorge für unsere Mitarbeiter etabliert – und das bei zeitweise täglich wechselnder Informationslage.

Prof. Dr. Daniel Rost: Die GRN-Kliniken sind seit jeher auf die Behandlung von Patienten mit Infektionskrankheiten eingestellt. Es gibt entsprechende Hygiene-Standards, persönliche Schutzausrüstung und Möglichkeiten zur Isolation von infektiösen Patienten. In den zurückliegenden Jahren haben wir regelmäßig im Rahmen der jährlichen Grippe-Epidemien Menschen mit schweren Atemwegsinfektionen behandelt. Im Winter 2009 hatte zum Beispiel der Erreger einer neuen Grippe vom Typ Influenza, die als „Schweinegrippe“ bekannt wurde, ganz Deutschland erfasst. Die Behandlung von Covid-19-erkrankten Patienten haben wir mit dieser Erfahrung gut gemeistert.

Welche konkreten Vorbereitungen wurden getroffen?

Prof. Dr. Daniel Rost: Anfang März 2020 wurde der für solche Fälle vorgesehene Pandemieplan aktiviert und der Pandemie-Krisenstab personell besetzt. Die Intensivkapazitäten wurden aufgestockt und eine Isolationsstation eingerichtet. Planbare sogenannte elektive Eingriffe und Operationen wurden bis auf weiteres verschoben, Stationen geschlossen und das frei werdende Personal auf der Intensivstation, in der Notambulanz und auf der Isolationsstation eingearbeitet. Patienten mit Grippe ähnlichen Symptomen wurden schon an der Schwelle des Krankenhauses identifiziert und entsprechend isoliert und im Eingangsbereich der Kliniken Zugangskontrollen und Besucherbeschrän-kungen eingeführt.

Wie haben Sie versucht, sich und Ihre Mitarbeiter zu schützen?

PD Dr. Christian Bopp: Der Umgang mit schwer kranken Menschen oder infektiösen Patienten gehört zu unserem Berufsalltag. Hier haben wir, speziell im Bereich OP und Intensivmedizin, Routine sowie einen sehr hohen Hygiene- und Sicherheitsstandard. Dies haben wir anhand von Empfehlungen der Fachgesellschaften nochmals optimiert, Schulungen durchgeführt und explizit Ruhe und Zeit in den korrekten Umgang mit der persönlichen Sicherheitsausrüstung investiert. Kolleginnen und Kollegen mit relevanten Vorerkrankungen oder höheren Lebensalters sind verständlicherweise besorgter vor einer möglichen eigenen Infektion. Wir haben über die Berufsgruppen hinweg sehr viel gesprochen, Sorgen und Ängste ausgetauscht, aufgeklärt aber auch Ri-sikogruppen identifiziert und durch die räumlich und personell getrennte Versorgung von Covid- und Non-Covid-Patienten einen bestmöglichen Weg gefunden.

Wenn man auf das letzte Jahr zurückblickt: Was würden Sie anders machen?

PD Dr. Christian Bopp: Zu sagen, dass man im Nachhinein immer klüger ist, ist aus meiner Sich zu pauschal und wird der Dimension der erbrachten Leistungen, den Unwägbarkeiten und der noch andauernden pandemischen Lage nicht gerecht. Sehr viele von uns, und hier spreche ich explizit nicht nur von uns in den Kliniken, sondern auch in allen anderen Bereichen, auch im Privaten, mussten schwierige, zeitkritische Entscheidungen unter teilweise dürftiger Informationslage treffen und übergeordnet auch selbige akzeptieren. Wir haben uns zunächst an die etablierten und empfohlenen Therapierichtlinien bei Patienten mit schweren Atemwegsinfektionen gehalten und die spezifische Therapie interdisziplinär unter anderem zusammen mit den Kollegen der Universitätskliniken Heidelberg – basierend auf den Fachempfehlungen – eng abgestimmt und gemeinsame Strategien zur Diagnostik, Therapie bis hin zu einem gemeinsamen Aufnahme- und Verlegungsmanagement etabliert.

Wann können wir mit einem Ende dieser Pandemie rechnen?

Prof. Dr. Daniel Rost: Mit dem Ende der Pandemie kann im Herbst 2021 gerechnet werden, wenn große Teile der Bevölkerung geimpft sind. Wir hoffen sehr, dass die Impfbereitschaft der Bevölkerung auch weiterhin auf einem hohen Niveau bleibt. Dann schaffen wir alle zusammen den Weg aus dieser fürchterlichen Krise.

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