Für jede Frau die optimale Lösung finden

Sylvia Römer, Oberärztin der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe der GRN-Klinik Weinheim, informierte zum Thema „Kaiserschnittentbindung – was spricht dafür und was dagegen?“


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Aktuell kommt in Deutschland jedes dritte Kind per Kaiserschnitt zur Welt. Wie jede andere größere Operation ist der Kaiserschnitt nicht frei von Risiken. Wenn eine Schnittentbindung aus medizinischen Gründen nötig ist, überwiegen jedoch in jedem Fall die Vorteile des Eingriffs. Dann dient er dazu, absehbare Gefahren einer vaginalen Entbindung für die Mutter oder das Kind abzuwenden. Der Eingriff gilt als sehr sicher. Was für oder gegen eine Kaiserschnittentbindung spricht, war Thema eines Vortrags von Sylvia Römer, Oberärztin der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe der GRN-Klinik Weinheim, am Mittwoch, 11. März 2020, im Rahmen der Reihe „Was Frauen bewegt“.

Warum sich Frauen für einen Kaiserschnitt entscheiden? Besonders die Planbarkeit des Geburtstermins spiele laut Römer eine wichtige Rolle, aber auch die schmerzfreie Geburt, Angst vor Wehen, ein möglicher Dammriss und Inkontinenz seien wichtige Aspekte, die Frauen anführen. „Viele Frauen wollen im Genitalbereich unversehrt bleiben oder fürchten eine Beckenbodenschwäche“, so die Oberärztin. Und was spricht gegen einen Kaiserschnitt? Es ist das höhere Risiko für die Mutter. „Ein Kaiserschnitt ist eine größere Bauchoperation mit dem Risiko für Verletzungen anderer Organe, Wundheilungsstörungen, Infektionen, Thrombosen, Verwachsungen und Narbenproblemen“, so Römer. Sehr selten könne es auch zu Verletzungen der Blase oder des Darms kommen. Kaiserschnittbabys hätten häufiger Probleme mit der Atmung; denn offenbar sorgt der Geburtsstress bei einer normalen Geburt dafür, dass sich die kindliche Lunge besser entfalten kann. Studienergebnisse ließen die Vermutung zu, dass Kaiserschnittkinder wegen der fehlenden Hormone, die bei einer natürlichen Geburt ausgeschüttet werden, häufiger unter Anpassungsstörungen leiden. Bei einer vaginalen Geburt werde die Bakterienflora des Geburtskanals – das Mikrobiom – auf das Baby übertragen, seine Haut und sein Darm schneller mit wichtigen Bakterien besiedelt. Laut Studien hätten Kaiserschnittkinder später ein höheres Risiko, Autoimmunerkrankungen, Allergien, Asthma, Übergewicht oder Diabetes zu entwickeln. „Der Kaiserschnitt ist hier aber nur ein Faktor“, so die Oberärztin zu möglichen Folgen für das Kind, „und man muss diese Untersuchungsergebnisse auch immer mit Vorsicht interpretieren.“ Außerdem: „Nach einer Kaiserschnittgeburt ist bei einer späteren Schwangerschaft die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen – zum Beispiel eine Fehllage des Mutterkuchens oder ein Riss des Uterus – statistisch etwas größer als bei einer normalen Geburt.“

Römers Fazit: „Die vaginale Geburt ist etwas Natürliches, wobei es für jede Frau persönliche Gründe geben kann, die zur Entscheidung für einen Kaiserschnitt führen. In einem Gespräch klären wir über die Risiken auf, informieren über Alternativen und kommen zu einer gemeinsamen Lösung.“ Als zertifizierte babyfreundliche Klinik, legt man in der GRN-Klinik Weinheim ein besonderes Augenmerk auf den frühen Mutter-Kind-Kontakt. Dieser ist auch bei einem Kaiserschnitt möglich: „Das sogenannte Bonding findet bei uns unmittelbar nach der Operation statt, und das Kind wird innerhalb der ersten Lebensstunde an die Brust gelegt.“ In Weinheim erfolgt der Kaiserschnitt in der Regel in Teilnarkose (Spinalanästhesie) und dauert etwa 30 Minuten, wobei das Kind bereits nach wenigen Minuten das Licht der Welt erblickt.

Weitere Termine der Vortragsreihe „Was Frauen bewegt“ 2020 im Überblick (bitte die Hinweise auf der GRN-Homepage – www.grn.de/veranstaltungen-und-termine – beachten; je nach Entwicklung der befürchteten Corona-Epidemie werden die Veranstaltungen gegebenenfalls abgesagt):

  • 6. Mai: Wie früh kann man Brustkrebs entdecken? – Neues und Bewährtes in der Mammadiagnostik
  • 8. Juli: Antihormonelle Therapie und Nebenwirkungsmanagement beim Brustkrebs
  • 16. September: Nachsorge nach gynäkologischen Krebserkrankungen – was ist sinnvoll?
  • 25. November: Schlüssellochchirurgie in der Gynäkologie –  innovative OP-Methoden


Bildunterschrift: Sylvia Römer (Foto: GRN/Callies)
 

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