Die Gebärmutter – ein besonders lebendiges Organ

Vortrag an der GRN-Klinik Schwetzingen in der Reihe „Im Zentrum: Gesundheit“


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Um die Gebärmutter kreisen viele Mythen und Geschichten. Kein anderes Organ verkörpert so sehr die Weiblichkeit. Es verleiht die Fähigkeit zum Gebären und gewährt damit den Erhalt der menschlichen Spezies. Durch das Erleben von Menstruation und Schwangerschaft prägt die Gebärmutter das Leben einer Frau entscheidend und beeinflusst ihr Wohlbefinden. Leider birgt die Gebärmutter aber auch Probleme wie Blutungsstörungen, Fehlbildungen und Schmerzen, die die Lebensqualität von Frauen erheblich einschränken und auch ihr Selbstwertgefühl beeinflussen können. Dr. med. Annette Maleika, Chefärztin der Gynäkologie und Geburtshilfe in der GRN-Klinik Schwetzingen, beleuchtete in einem Vortrag am 3. Dezember 2019 im Rahmen der Reihe „Im Zentrum Gesundheit“ das Phänomen Gebärmutter unter historischem Blickwinkel ebenso wie aus medizinischer Sicht.

Ein Organ, das bewegt

Die Gebärmutter bot seit jeher Anlass zu Spekulationen: Im Alten Testament ist sie neben dem Herzen das am häufigsten erwähnte Organ. Nach jüdischem Glauben gehört der Schoß der Frau Gott und ist der Ort, an dem er Leben schafft. Im Altertum ging man davon aus, dass die Gebärmutter bei zu wenig Sex im Körper herumwandert und die Gesundheit der Frau – auch die psychische – negativ beeinflusst. Der griechische Name für Gebärmutter ist Hystera, wovon auch die Bezeichnung „Hysterie“ abgeleitet ist. Dr. Annette Maleika: „Zu Zeiten Platons ging man davon aus, dass die Schwangerschaft der Idealzustand für eine Frau sei, da sie dann durch die hormonelle Umstellung ausgeglichen und umgänglich war.“ Dass die Gebärmutter ihre Größe – wie bei einer Schwangerschaft – verändern kann, gab im Mittelalter Anlass, sie mit einer Kröte zu vergleichen, die sich aufblasen und auch wieder schrumpfen kann.

Menstruation und Schwangerschaft

„Die Menstruation ist das erste Lebenszeichen, durch das wir die Gebärmutter spüren“, erklärte Dr. Maleika. Sie wird etwa zwischen dem elften und 52. Lebensjahr regelmäßig dadurch ausgelöst, dass Gebärmutterschleimhaut aufgebaut und wieder abgestoßen wird. Bei jungen Frauen kommt es häufiger zu äußerst schmerzhaften Blutungen und andere Beschwerden wie beispielsweise Schwindel. Oft wird dagegen die Pille verschrieben – „die Pille ist so etwas wie ein ‚Lifestyle-Medikament‘ geworden“, so die erfahrene Frauenärztin. „Bei Mädchen unter 20 Jahren wird sie weit häufiger aufgrund von Problemen bei der Blutung eingesetzt als zur Schwangerschaftsverhütung. Mit ihr werden Hautprobleme behandelt oder das Einsetzen der Blutung kontrolliert.“ Immer häufiger werde die Pille auch ohne Pause eingenommen, um so eine Blutung ganz zu vermeiden, was aber laut Maleika nach ein paar Monaten nicht mehr funktioniert und nicht dauerhaft so gehandhabt werden sollte. Sie wies auch auf die Nebenwirkungen der Pille hin und dass deren Einnahme auch Risiken wie beispielsweise eine erhöhte Thrombose-Gefahr, Libido-Verlust und depressive Verstimmungen bergen kann.

In der Schwangerschaft hat sich der Embryo in die Gebärmutter eingenistet, weshalb die Gebärmutterschleimhaut nicht mehr abgestoßen wird. „Dieses Einnisten des Embryos ist an sich schon ein Wunder“, so Maleika, „denn er besteht zur Hälfte aus fremdem Erbgut, das normalerweise vom Körper abgestoßen wird.“ Die Plazenta, auch Mutterkuchen genannt, verhindert dies aber. Sie ist eine neutrale Barriere zwischen Mutter und Kind und sorgt außerdem dafür, dass der Embryo ernährt wird. Die Gebärmutter, die normalerweise 50 bis 120 Gramm wiegt, verzehnfacht ihr Gewicht bis zum Ende der Schwangerschaft, bildet sich dann aber wieder auf ihre Ursprungsgröße zurück.

Gutartige und bösartige Erkrankungen

Myome in der Gebärmutter sind die häufigsten gutartigen Tumoren bei Frauen. Jede Dritte ist davon betroffen. Auch Polypen gehören zu den gutartigen Erkrankungen, ebenso die Senkung der Gebärmutter. Die Behandlungsmethoden variieren je nach Beschwerden und beinhalten manchmal auch eine Entfernung der Gebärmutter. „Wir operieren heute allerdings meistens organerhaltend und prüfen genau, ob eine komplette Entfernung notwendig ist“, beruhigte Chefärztin Dr. Maleika das anwesende, überwiegend weibliche Publikum. Anders sieht es bei den bösartigen Erkrankungen wie Zervixkarzinom oder Korpuskarzinom aus: Hier ist die Gebärmutterentfernung fast immer die angemessene Behandlungsmethode. Rät ein Arzt allerdings dazu, so ist es den Patientinnen von der Krankenkasse erlaubt, eine zweite Meinung einzuholen. In Deutschland bekommt heute jede sechste Frau die Gebärmutter entfernt. Der Ultraschall ist speziell beim Zervixkarzinom neben dem Abstrich die beste Vorsorge, wird aber leider von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen.

Dr. Maleika stellte auch das Mayer-Rokitansky-Küster-Syndrom vor – eine Erkrankung, bei der Mädchen ohne Gebärmutter auf die Welt kommen und nicht schwanger werden können. 2014 gelang es in Schweden allerdings zum ersten Mal, eine Gebärmutter zu transplantieren. Weltweit wurden bisher zehn Kinder aus rund 40 Gebärmuttertransplantationen geboren.

Am Ende ihres Vortrags riet die Gynäkologin zur Gelassenheit: „Schließen Sie Frieden mit Ihrer Situation, passen Sie sich den Gegebenheiten an – und, wenn nötig, nehmen Sie auch Abschied. Den Frauen, die unter den Symptomen einer Erkrankung der Gebärmutter stark leiden, fällt das in der Regel sehr leicht – insbesondere wenn die Probleme, wie in den meisten Fällen, nach der Operation gelöst sind.“

Die Reihe „Im Zentrum: Gesundheit“ der GRN Gesundheitszentren Rhein-Neckar wird 2020 fortgesetzt. Themen und Termine werden in Kürze bekanntgegeben.

Bildunterschrift: Dr. med. Annette Maleika während des Vortrags am 3. Dezember. (Foto: GRN)