Der plötzliche Herztod – was tun?

Prof. Dr. med. Bernd Waldecker sprach an der GRN-Klinik Schwetzingen im Rahmen der bundesweiten Herzwochen der Deutschen Herzstiftung e.V. über Risiken und Vorbeugung


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Etwa 100.000 Menschen sterben jedes Jahr an einem plötzlichen Herztod – eine erschreckend hohe Zahl, bei der man noch von einer hohen Dunkelziffer ausgehen muss. Aber so ganz aus heiterem Himmel tritt der plötzliche Herztod nicht immer ein. Es gibt durchaus Anzeichen, die auf eine Vorerkrankung oder ein erhöhtes Risiko hindeuten. Wenn diese Risikofaktoren erkannt und richtig interpretiert werden, können entsprechende Vorsichtsmaßnahmen eingeleitet werden. Was jeder ganz persönlich hierzu beitragen kann, wer besonders gefährdet ist und wie man in der akuten Situation am besten reagiert, war von Professor Dr. med. Bernd Waldecker, Chefarzt der Abteilung Kardiologie, Angiologie und internistische Intensivmedizin der GRN-Klinik Schwetzingen, in seinem Vortrag: „Der plötzliche Herztod“ zu erfahren, der [am 26. November] im Rahmen des Herzmonats 2019 der Deutschen Herzstiftung e.V. stattfand.

Die häufigste Ursache: akuter Herzinfarkt

Der plötzliche Herztod ist in den meisten Fällen Folge eines akuten Herzinfarktes. Hierbei kommt es zum Verschluss eines Herzkranzgefäßes (eines sogenannten Koronargefäßes), die Blutversorgung des Herzmuskels ist unterbrochen, und Herzmuskelgewebe stirbt ab. „Dabei wird nicht selten die geordnete elektrische Erregung des Herzmuskels massiv gestört; man nennt dies Kammerflimmern. Die Pumpfunktion des Herzens kommt vollständig zum Erliegen. Es folgen Herz-Kreislaufstillstand und dann der plötzliche Herztod“, erklärte Professor Waldecker. Essentiell sei es, dass Außenstehende einen Herz-Kreislaufstillstand erkennen, um schnell reagieren zu können. „Hier gibt es ein paar Anhaltspunkte“, so der Herzspezialist: „Der Betroffene ist augenscheinlich bewusstlos und nicht aufweckbar, es ist kein Puls zu spüren und keine Atmung zu erkennen.“

Schnelle Hilfe kann Leben retten

Bei einem Herz-Kreislaufstillstand müssen sofort Wiederbelebungsmaßnahmen durchgeführt werden, denn innerhalb von knapp zwei Minuten kann der Herztod einsetzen. Aber was genau ist zu tun? So schwer es auch fallen mag: Bevor Wiederbelebungsmaßnahmen eingesetzt werden, muss der Notruf 112 angerufen werden. Bei diesem Gespräch ist es überaus wichtig, so konzentriert wie möglich alle Fragen, die gestellt werden, korrekt zu beantworten. Die richtigen Informationen tragen dazu bei, dass schnell kompetente Hilfe geschickt wird, nämlich Rettungssanitäter und Notarzt. Danach muss eine Thoraxkompression, sprich Herzdruckmassage, erfolgen. Professor Waldecker: „Dies ist die entscheidende Maßnahme überhaupt. Hierdurch kann ein Mensch sogar über mehrere Stunden am Leben erhalten werden.“ Korrekt wird eine Herzdruckmassage ausgeführt, indem in der Mitte des Brustkorbs beide Hände übereinandergelegt werden und dann etwa 90 Mal pro Minute, so tief es geht, in Richtung Wirbelsäule gedrückt wird. Da die Ventile des Herzens – die Herzklappen – noch intakt sind, wird so die fehlende Pumpeigenleistung des Herzens vorübergehend von außen ersetzt und Blut in die richtige Richtung gepresst. Eine Beatmung ist in der ersten Phase der Wiederbelebung nicht zwingend notwendig, da der Sauerstoffgehalt im Blut ausreicht, um den Körper noch für einige Minuten zu versorgen. Wenn dann professionelle Hilfe eintrifft, wird beatmet.

Keine Angst vor Automatischen Defibrillatoren!

Aber was ist mit dem Kammerflimmern, das trotz Thoraxkompression weiterbesteht? In öffentlichen Gebäuden befinden sich immer häufiger automatische Defibrillatoren, mit deren Hilfe das Kammerflimmern durchbrochen werden kann. „Ich möchte ausdrücklich zum Einsatz dieser Geräte ermutigen“, so der Herzspezialist. Denn: Man kann nichts falsch machen. Der Defibrillator erkennt, ob tatsächlich ein Kammerflimmern vorliegt und gibt nur dann einen Schock ab. Eine falsche Schockabgabe ist extrem selten. Professor Waldecker: „Darauf können sich Laien absolut verlassen, das ist höchstrichterlich abgesegnet.“  Auch bei der Herzdruckmassage kann man übrigens nichts falsch machen: Selbst einem Patienten, der sich nicht im Herz-Kreislaufstillstand befindet, kann man dadurch nicht schaden. Es gilt also: Nur keine Hilfe ist falsche Hilfe!

Vorzeichen erkennen und vorbeugen

Leider liegt auch bei kompetenter und schneller Hilfe die Überlebensrate bei nur 20 Prozent. Umso wichtiger ist es, Vorzeichen wie einen schweren Angina-pectoris-Anfall mit Schmerzen oder drückendem Engegefühl in der Brust, plötzliche Übelkeit mit Schweißausbrüchen, ungewohnte, sehr schnelle Herzschläge sowie kurze Bewusstlosigkeit zu erkennen und richtig zu deuten. Gefährdet sind vor allem Personen mit einer chronischen koronaren Herzerkrankung und verengten Herzkranzgefäßen, Herzmuskelerkrankung oder Herzmuskelentzündung. Und wie kann man vorbeugen? „Einfach die immer wieder zitierten Ratschläge befolgen“, so Professor Waldecker: „Sport treiben, Diabetes und Bluthochdruck entsprechend behandeln, Übergewicht vermeiden und natürlich nicht rauchen.“

Bildunterschrift: Professor Dr. med. Bernd Waldecker im Gespräch mit einer Besucherin.

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