GRN
Die Gesundheitszentren Rhein-Neckar

Pressemitteilung

09.05.2018

An die Hand genommen: Begleitung für Demenzkranke im Klinikalltag

Dank Unterstützung der „alwine Stiftung – in Würde altern“ wird zukünftig an der GRN-Klinik Weinheim eine hauptamtliche Demenzbegleitung zur Verfügung stehen

Patienten mit Demenz kommen im Krankenhausalltag nur schwer zurecht – und stellen Pflegepersonal, Ärzte und Angehörige vor besondere Herausforderungen: Ungewohnte Umgebung, fremde Personen, medizinische Maßnahmen und mögliche Schmerzen verwirren und überfordern die betagten Patienten, können Angst, Aggressionen, Abwehr und Fluchtimpulse auslösen. Um diesen für alle Beteiligten schwierigen Situationen so gut wie möglich begegnen zu können, geht man an der GRN-Klinik Weinheim in der Versorgung dementer Patienten nun neue Wege. Dank der großzügigen Unterstützung der Weinheimer alwine Stiftung – in Würde altern ist eine Teilzeitstelle für eine Demenzbegleiterin oder einen Demenzbegleiter eingerichtet worden, die Mitte des Jahres 2018 besetzt wird. Die speziell geschulte und erfahrene Pflegekraft soll Betroffene durch den Krankenhausalltag begleiten, Vertrauen aufbauen und Angehörige sowie das Pflegepersonal auf den Stationen beraten.

„Der Einsatz von Demenzbegleitern gewinnt immer mehr an Bedeutung, wird aber bislang nicht von den Krankenkassen getragen. Wir sind der alwine Stiftung daher sehr dankbar für die großzügige Unterstützung“, sagt Dr. med. Florian von Pein, Chefarzt der Abteilung für Altersmedizin an der GRN-Klinik Weinheim. Die alwine Stiftung finanziert die Stelle zwei Jahre lang zu zwei Dritteln, die Klinik trägt ein Drittel. Wenn sich das Konzept bewährt, übernimmt die GRN-Klinik die Personalkosten nach zwei Jahren komplett. Martina Schildhauer, Gründerin der alwine Stiftung, erläutert die Motivation für ihr Engagement zugunsten der Demenzbegleitung im Krankenhaus: „Die alwine Stiftung setzt sich für Projekte ein, die unserem Motto In Würde altern entsprechen. Daher freue ich mich, mit dieser Spende einen Beitrag zum Ausbau der Altersmedizin in den Weinheimer GRN-Einrichtungen leisten und das Engagement von Herrn Dr. von Pein und seinem Team unterstützen zu können.“ Den Beitrag der alwine Stiftung sieht sie als eine Art „Anschubfinanzierung“ für diesen wichtigen Baustein im Rahmen des Gesamtkonzeptes der Altersmedizin Weinheim.

Demenzkranke Patienten in der Klinik

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an Demenz zu erkranken. Da immer mehr Menschen immer älter werden, wächst auch die Zahl dementer Menschen in Deutschland – jährlich um rund 40.000! Diese Zunahme spiegelt sich auch auf den Stationen der Krankenhäuser wider und bringt zahlreiche Probleme in der Versorgung dieser Patienten mit sich, die bisher kaum zufriedenstellend gelöst werden können: So fallen Patienten mit Demenz beispielsweise überdurchschnittlich häufig ins Delir, eine plötzliche, starke Verwirrtheit. Oder sie vergessen, warum sie im Krankenhaus sind und dass sie im Bett bleiben müssen, und versuchen die Klinik zu verlassen. Die dann bisweilen notwendigen freiheitsbeschränkenden Maßnahmen – wie beispielsweise das Anbringen von Bettgittern – können Ohnmachtsgefühle und Panikattacken hervorrufen. Nicht zuletzt gestaltet sich auch die Nahrungsaufnahme schwierig, weil die Patienten häufig Impulse oder Anleitung brauchen, keinen Appetit auf unbekannte Nahrungsmittel haben oder schlicht nicht im Bett essen können.

„Die Pflege und Betreuung dementer Patienten erfordert sehr viel Flexibilität und vor allem mehr Zeit als dem Pflegpersonal im Stationsalltag üblicherweise zur Verfügung steht. Das ist nicht nur problematisch für die betagten Patienten, sondern auch sehr frustrierend für die Pflegekräfte“, erklärt Dr. von Pein. Aus diesem Grund gibt es inzwischen an mehreren Kliniken in Deutschland im Rahmen von Modellprojekten sogenannte Demenzbegleiter. Als zusätzliche Betreuungskräfte, die nicht in die Pflege anderer Patienten mit eingebunden sind, können sie sich die notwendige Zeit für die Patienten nehmen. „Erste Studienergebnisse zeigen, dass durch die intensive Betreuung die Anzahl der Verwirrtheitszustände und freiheitsberaubenden Maßnahmen bei älteren Patienten um rund ein Drittel gesenkt werden konnte, die Behandlungsqualität stieg und sich sowohl bei Mitarbeitern als auch bei Angehörigen und Patienten die Zufriedenheit verbesserte“, ergänzt der Geriater.

Demenzbegleitung im Krankenhaus

Die Aufgaben der Demenzbegleiterinnen und -begleiter sind vielfältig: Sie bauen durch täglichen Kontakt mit den Patienten ein Vertrauensverhältnis auf, das die Basis für eine möglichst reibungslose Pflege und medizinische Behandlung bildet, mobilisieren, sorgen für eine haltgebende Tag- und Nachtstruktur, unterstützen bei alltäglichen Tätigkeiten wie Ankleiden und Essen, hören zu und sind da, wenn keine Angehörigen verfügbar sind. Ebenso beraten sie Angehörige und sensibilisieren das übrige Krankenhauspersonal für eine demenzadäquate Kommunikation mit den Patienten. „Es geht nicht darum, dass die Demenzbegleiterin oder der Demenzbegleiter zukünftig alle Aufgaben übernimmt, sondern ein Beispiel gibt, schult, sinnvolle Veränderungen und Maßnahmen im Krankenhausablauf anregt und Hilfsmittel etabliert“, so Dr. von Pein. Er ist sich sicher: „Demenzbegleiter werden in Zukunft unverzichtbar sein, um diese Patienten angemessen zu versorgen.“

Über die Stiftung

Die alwine Stiftung – in Würde altern ist die Fortsetzung der 2009 in Weinheim gegründeten Stiftungsinitiative Altersarmut. Als Initiatorin und Stifterin zeichnet Martina Schildhauer verantwortlich. Sie gibt der regional tätigen Stiftung mit den Schwerpunkten Altersarmut und Gewalt im Alter ein Gesicht. Namensgeberin der Stiftung ist Martina Schildhauers Großmutter Alwine, die der Stifterin mit ihrer Unvoreingenommenheit, Hilfsbereitschaft und Tatkraft als Vorbild dient.

Markus Kieser (Leiter der GRN-Klinik Weinheim, ganz links), Sandra Riechers (Pflegedienstleiterin, 2.v. l.) und Dr. Florian von Pein (Chefarzt der Altersmedizin, ganz rechts) setzen sich mit Unterstützung der alwine Stiftung, repräsentiert von Martina Schildhauer (2. v. r.) und Friedhilde Walter (M.), für eine professionelle Begleitung von Demenzkranken während des Krankenhausaufenthaltes ein. (Foto: Kathrin Oeldorf / GRN)

Letzte Aktualisierung 18.05.18