GRN
Die Gesundheitszentren Rhein-Neckar

Pressemitteilung

15.04.2019

Gesund und fit Ü50: Optimistisch durch die „Wechseljahre“

Neue Veranstaltungsreihe „Im Zentrum: Gesundheit“ der GRN Gesundheitszentren Rhein-Neckar ging am 9. April in der GRN-Klinik Schwetzingen an den Start

116 Jahre alt ist der derzeit offiziell älteste Mensch der Welt, die Japanerin Kane Tanaka. Ob auch hierzulande jemand ein solch hohes Alter erreichen wird, bleibt abzuwarten. Sicher ist: Ob Mann oder Frau – ab dem 50. Lebensjahr können zunehmend gesundheitliche Veränderungen auftreten. Was kommt da auf uns zu und was können wir tun, um auch im Alter noch fit zu sein und das Leben zu genießen? Dieser Frage gingen am 9. April 2019 Dr. med. Annette Maleika, Chefärztin der Gynäkologie und Geburtshilfe, und Dr. med. Horst Herrmann, niedergelassener Facharzt für Urologie, in einem Doppelvortrag im Rahmen der Reihe „Im Zentrum: Gesundheit“ an der GRN-Klinik Schwetzingen nach.

Zunächst das Positive: „Viele von uns werden ab 50 gelassener und entspannter und das wiederum gibt ein gutes Lebensgefühl“, so Dr. Maleika. Gesundheit, zitierte sie die Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung, entsteht, wenn man für sich und andere sorgt, in der Lage ist, selbst Entscheidungen zu fällen und die Kontrolle über die eigenen Lebensumstände hat. Doch was in jungen und mittleren Jahren noch selbstverständlich ist, wird im Alter leider allzu oft zur Ausnahme: Die gesundheitlichen Probleme häufen sich. Inzwischen erkrankt jede achte Frau an Brustkrebs. Die Gründe hierfür sind noch nicht genau erforscht, doch offensichtlich spielen der „westliche“ Lebensstil und damit im Zusammenhang die Ernährung eine Rolle. Fleisch sowie Fisch aus Zuchtbetrieben sind stark mit Hormonen belastet, die Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben. Hinzu kommen natürlich die Wechseljahre mit allen ihren Begleiterscheinungen wie Osteoporose oder Arthrose bis hin zu Demenz, Sehschwäche, aber auch Vereinsamung und Depression. Themen, derer sich die Gesellschaft zunehmend annehmen muss, wird doch jede zweite Frau inzwischen älter als 85 Jahre.

Hormone – die Regisseure unseres Lebens

Hormone bestimmen unser Leben. Sie steuern nicht nur die Fruchtbarkeit oder das Gefühlsleben, sondern auch den Flüssigkeitshaushalt, Stoffwechsel und Alterungsprozesse. „Ein Ungleichgewicht entsteht beispielsweise durch Übergewicht oder Stress und eben auch im Alter“, so Dr. Maleika. Als Folge kommt es bei der Frau zur Menopause, die sich zum einen psychovegetativ beispielsweise durch Hitzewallungen, Unruhe und Stimmungslabilität bemerkbar macht und zum anderen somatisch durch trockene Haut und Schleimhäute, Gelenkschmerzen, Haarausfall sowie urogenitale Beschwerden. Sind die Symptome schwerwiegend und der Leidensdruck hoch, kann eine Hormonbehandlung Abhilfe schaffen, die laut Dr. Maleika lange Zeit zu Unrecht verteufelt wurde. Wichtig sei, dass sie differenziert erfolge, eventuell auch mit natürlichem Progesteron oder einer Kombination mit über ein Pflaster verabreichtem Östrogen, um Nebenwirkungen so gut es geht zu vermeiden. Für Risikopatientinnen mit Brustkrebs, Thrombose, Embolie, Schlaganfall oder Herzinfarkt kommt eine Hormontherapie nicht in Betracht. Allerdings stehen auch zahlreiche alternative Behandlungsmethoden bei klimakterischen Beschwerden zur Verfügung, mit denen sehr oft gute Behandlungserfolge erzielt werden.

Sexualität, Falten und OPs

Mit dem Alter treten zunehmend auch im Bereich der Sexualität Probleme auf. Etwa durch trockene Schleimhäute, nachlassende Libido, Senkungsbeschwerden oder schlicht und ergreifend die Tatsache, dass man sich selbst und seinen Körper nicht mehr attraktiv findet. Doch Sexualität ist auch ein psychosoziales Grundbedürfnis und kann eine Beziehung festigen und erhalten. Hier gilt es Mut zu haben, die Dinge offen anzusprechen und sich auch Rat bei der Frauenärztin oder dem Frauenarzt oder in einer Sexualtherapie zu holen. Gleitgele, Scheidenzäpfchen oder Estriol-Präparate können oft Abhilfe schaffen, und nicht zu vernachlässigen ist die gegenseitige körperliche Zuwendung im weitesten Sinn.

Gesundheit ist das eine, jugendliches Aussehen das andere. Wir wollen alt werden, aber nicht so aussehen. Wer seine Haut schonen und die Faltenbildung verringern will, sollte vor allem Hautcremes mit Lichtschutzfaktor verwenden. „Welche Nachtcreme Sie benutzen, ist egal“, so Dr. Maleika. „Ausschlaggebend ist die Verwendung einer Sonnenschutzcreme am Tag.“ Wem das nicht ausreiche, könne natürlich mit Botox und Hyaluronfillern aktiv Falten bekämpfen. Schwerwiegende Nebenwirkungen seien laut der Gynäkologin nicht zu befürchten, die Wirkdauer sei allerdings begrenzt. Die beliebteste Schönheitsbehandlung ist nach wie vor die Brustvergrößerung und der Einsatz von Implantaten. Gleich danach kommt bei Frauen die Lidstraffung – ein Eingriff, der wiederum bei den Männern an erster Stelle steht.

Auch Männer werden alt – und entwickeln oft eine Lebenskrise

Mit über 50 haben Männer meist viel erreicht. Bislang waren sie tatkräftig, zielstrebig, erfolgreich, und meistverdienen sie mehr als je zuvor. Aber auch bei ihnen setzt der Alterungsprozess ein, wie der zweite Referent des Abends, der Urologe Dr. Horst Herrmann, herausarbeitete: „Die Hormonproduktion nimmt ab, ebenso die Leistungs- sowie Erektionsfähigkeit und die Muskelkraft. Hieraus entwickelt sich oft eine Lebenskrise.“ Diese wird begleitet von Ängsten vor Krankheiten, fehlender Anerkennung und Minderwertigkeitsgefühlen gegenüber Jüngeren. Was also tun, um wieder „ganz Mann“ zu sein? Dr. Herrmann empfiehlt körperliches und geistiges Training, eine gesunde Ernährung mit wenig Zucker und gesunden Fetten sowie einem jährlichen Uro-Check mit Ermittlung des PSA-Wertes und Ultraschall. Auch Antioxidantien als Fänger von freien Radikalen misst er eine große Bedeutung zu. Beachtet werden müsse hierbei aber, dass diese ausschließlich über die Nahrung in den Körper gelangen. Vitaminpräparate und Nahrungsergänzungsmittel bleiben wirkungslos, wenn Co-Enzyme fehlen, die die Aufnahme in den Körper gewährleisten.

Hormontherapie beim Mann – Chance und Risiko

Auch beim Mann können Hormone in dieser Lebensphase hilfreich sein. So vermindert das Wachstumshormon Somatotropin das Fettgewebe und steigert die Knochendichte und Muskelmasse. Gleichzeitig steigt aber auch die Gefahr an Diabetes mellitus und Darmkrebs zu erkranken. Melatonin wirkt als Wohlfühlhormon auch antidepressiv, birgt aber zudem das Risiko des Sekundenschlafs in sich. Ebenso wie bei Frauen sollen Östrogene auch beim Mann den Knochenabbau verhindern und sich stabilisierend auf die Psyche auswirken. Allerdings existieren bis jetzt kaum Studien dazu, und die Gefahr für Thrombosen und Embolien steigt im Gegensatz zur Anwendung bei Frauen. Auch mit Testosteronpflastern kann die Knochendichte gesteigert und das Körperfett vermindert werden. Zudem erhöht es die Muskelmasse, die Libido und wirkt stimmungsaufhellend. Dem gegenüber steht jedoch eine Vermehrung der roten Blutkörperchen, die das Blut verdicken – es drohen Herzinfarkt oder Gehirnschlag. Höchste Vorsicht ist daher geboten und eine engmaschige Kontrolle ist essentiell.

Bewegung – das A und O

Wie erreiche ich nun ein langes und gesundes Leben? Dazu geben sowohl die Frauenärztin als auch der Urologe am Ende ihrer Vorträge Tipps, die sich ganz einfach beherzigen lassen. Eine positive Lebenseinstellung gehöre dazu, mit realistischen Zielen, die dem Alter angepasst sind. „Schneller, höher, weiter ist sicher nicht mehr das passende Lebensmotto und macht nur unzufrieden, führt es einem doch lediglich die Defizite vor Augen, anstatt das zu würdigen, was man noch kann“, so Dr. Herrmann. An vorderster Stelle steht die Bewegung. Wer diese scheut, verdoppelt sein Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko. Sport stärkt die körpereigenen Abwehrkräfte und beugt Diabetes, Übergewicht und Osteoporose vor. Ideal wäre ein körperliches Training drei Mal in der Woche für mindestens 30 Minuten. Egal, ob Walken, Schwimmen oder Radfahren: Beachtet werden sollte die maximale Herzfrequenz. Diese berechnet sich aus 200 minus Lebensalter.

Verzicht auf das Rauchen – jede Zigarette verkürzt unser Leben um sieben Minuten – und eine gesunde, ausgewogene Ernährung sind weitere wichtige Punkte, ebenso wie geistiges Training. Das Erlernen neuer Sprachen oder eines neuen Instrumentes schafft neue neuronale Strukturen und Vernetzungen, die das Risiko einer Demenzerkrankung verringern können. Und wer beim Duschen öfter mal die Augen schließt oder sich auf einem Bein stehend die Schuhe bindet, schult seine Koordination.

Um dem sogenannten „Pensionstod“ zu entgehen, ist es wichtig, im Alter noch eine Aufgabe zu haben. Das Wissen gebraucht zu werden und anderen helfen zu können, wirkt sich positiv auf den Seelenzustand aus und verringert das Risiko einer Altersdepression. Letztendlich gilt: Optimisten leben länger! Mit einer positiven Lebenseinstellung und einem intakten sozialen Umfeld ist man auf dem besten Weg, auch im Alter gesund und fit zu bleiben.

Dr. med. Annette Maleika, hier im Bild, referierte neben Dr. Horst Herrmann zum Thema „Gesund und fit Ü50“.

Letzte Aktualisierung 22.03.19