GRN
Die Gesundheitszentren Rhein-Neckar

Pressemitteilung

09.04.2019

Hilfe für Demenzkranke: Sensible Begleitung gegen Stress im Krankenhaus

Positive Bilanz nach den ersten Monaten: Die Demenzbegleitung an der GRN-Klinik Weinheim wird von Patienten, Angehörigen sowie Ärzten und Pflegekräften sehr gut angenommen

Seit November 2018 setzt sich Christiane Schneeweiß als Demenzbegleiterin in der GRN-Klinik Weinheim für demenzkranke Patienten und ihre besonderen Bedürfnisse während des Klinikaufenthalts ein. Auch für ältere Menschen, die von der Situation im Krankenhaus überfordert sind und verwirrt reagieren, sowie für Angehörige dieser Patienten ist sie da. Ein knappes halbes Jahr nach Start des Projekts haben der Chefarzt der Altersmedizin, Dr. med. Florian von Pein, Klinikleiter Markus Kieser und Pflegedienstleiterin Sandra Riechers in einem Pressegespräch am 8. April gemeinsam mit Christiane Schneeweiß eine sehr positive Bilanz gezogen: „Die Patientinnen und Patienten erinnern sich zwar häufig nicht daran, wer genau ich bin, aber ihr Lächeln und ihre meist offene und zugewandte Körperhaltung verraten, dass sie mich mit etwas Positivem in Verbindung bringen. Auf dieser Basis gelingt es leichter, ‚brenzlige‘ Situationen bei Behandlung und Pflege, in denen diese Patientinnen und Patienten schnell mit Angst und Abwehrverhalten reagieren, zu entschärfen“, sagte die altersmedizinische Fachpflegekraft. 

Dr. von Pein ergänzte: „Mit der Demenzbegleitung legen wir in der GRN-Klinik Weinheim einen Fokus auf die bessere, da bedarfsgerechte Versorgung unserer kognitiv beeinträchtigten Patientinnen und Patienten. Dazu gehört auch, dass Frau Schneeweiß auf den Stationen eine neue Aufmerksamkeit für die Problematik weckt, Lösungswege entwickelt und vorlebt.“ Die „Anschubfinanzierung“ der Teilzeitstelle (75 Prozent), durch die das Ärzte- und Pflegeteam der Klinik zusätzlich unterstützt wird, leistet die Weinheimer alwine Stiftung – in Würde altern. „Die alwine Stiftung setzt sich für Projekte ein, die unserem Motto „In Würde altern“ entsprechen. Daher freue ich mich, mit der Spende von 50.000 Euro einen Beitrag zum Ausbau der Altersmedizin in den Weinheimer GRN-Einrichtungen leisten und das Engagement von Herrn Dr. von Pein und seinem Team unterstützen zu können“, erläuterte Martina Schildhauer die Motive ihrer Stiftung.

Die Aufgaben der Demenzbegleiterin sind vielfältig: Sie baut durch täglichen Kontakt mit den Patienten ein Vertrauensverhältnis auf, das die Basis für eine möglichst reibungslose Pflege und medizinische Behandlung bildet, mobilisiert, sorgt für eine haltgebende Tag- und Nachtstruktur, unterstützt bei alltäglichen Tätigkeiten wie Ankleiden und Essen, hört zu und ist da, wenn keine Angehörigen verfügbar sind. „Es ist toll zu erleben, welche Wunder ein Lächeln, Augenkontakt, eine liebevolle Ansprache und zugewandte Körpersprache bei demenzkranken und verwirrten Patienten bewirken“, berichtete Christiane Schneeweiß, die – von Haus aus Gesundheits- und Krankenpflegerin – eine Zusatzausbildung zum Thema Demenz und Angehörigenberatung absolvierte. „Im Gespräch kann ich darauf aufbauend dann den aktuellen Gefühlszustand erspüren und eventuellen Stressreaktionen vorbeugen.“

Darüber hinaus gilt ihr Interesse stets auch den Angehörigen der Patientinnen und Patienten, denn diese sind immer mitbetroffen. Sie nimmt sich Zeit für Gespräche, klärt auf und gibt Tipps für den Umgang. Ebenso gehört es zu ihren Aufgaben, das übrige Krankenhauspersonal für eine demenzadäquate Kommunikation mit den Patienten zu sensibilisieren; sie steht im engen Austausch mit den pflegerischen, ärztlichen und therapeutischen Kollegen, ist Ansprechpartnerin zu allen Fragen zum Umgang mit kognitiv beeinträchtigten Menschen. „Es freut mich sehr, dass dieses Angebot in der kurzen Zeit von allen Berufsgruppen bereits so gut angenommen wird und dass wir in der Versorgung dieser Patientengruppe so effektiv und für alle zufriedenstellend an einem Strang ziehen“, so Christiane Schneeweiß anlässlich des Pressegesprächs.

Als zusätzliche Maßnahme, betonte Klinikleiter Markus Kieser, sei geplant, die Strukturen und Abläufe innerhalb der GRN-Klinik Weinheim so zu überdenken und umzugestalten, dass die Stressoren für ältere Menschen reduziert werden. Hierfür werden in verschiedenen Arbeitsgruppen mit den jeweiligen Abteilungen die Prozesse überdacht. Unter anderem sollen Orientierungshilfen wie Uhren und Kalender in den Patientenzimmern angebracht werden. Darüber hinaus werden ehrenamtliche Demenzbegleiter gesucht, die die Arbeit von Christiane Schneeweiß unterstützen und ergänzen (Kontakt: Sandra Riechers, Pflegedienstleitung der GRN-Klinik Weinheim, Tel.: 06201 89-2900).

Zur Person: Christiane Schneeweiß

Seit 2002, direkt nach der Ausbildung zur Gesundheits-und Krankenpflegerin, arbeitet Christiane Schneeweiß in der GRN-Klinik Weinheim, wo sie bereits in den ersten acht Jahren auf der unfallchirurgischen Station in der Versorgung geriatrischer Patienten – das heißt, älterer oder hochbetagter Menschen, die häufig an verschiedenen Vorerkrankungen leiden – Erfahrungen sammelte. Danach war sie für weitere acht Jahre Teil des Teams der Intensivstation und stellte fest, dass ihr ältere, häufig kognitiv eingeschränkte Patienten ganz besonders am Herzen liegen. 2016 bildete sich Christiane Schneeweiß zur geriatrischen Fachkraft weiter und absolvierte in den Jahren 2018 bis 2019 einen Zertifikatskurs zum Thema „Demenz und Angehörigenberatung“. Nach einer zweimonatigen Planungs- und Schulungsphase ist sie nun als Demenzbegleitung in der GRN-Klinik Weinheim tätig.

Auf die Frage, was ihr an ihrem Beruf besonders gefällt, antwortete Christiane Schneeweiß: „Was ich an meiner Arbeit liebe, ist die Tatsache, dass der Mensch im Mittelpunkt steht. In unserer schnelllebigen, hektischen und leistungsorientierten Gesellschaft, in der es sich leider viel zu oft um andere Werte dreht, zählt hier einzig und allein das Individuum mit seinen Gefühlen, seinen Empfindungen und seiner Lebensgeschichte. Menschen ‚funktionieren‘ nicht auf Knopfdruck, schon gar nicht, wenn eine kognitive Beeinträchtigung vorliegt. Hochbetagte Patienten reagieren auf Druck oft mit Gegendruck, können das ‚System Krankenhaus‘ mit seinen kurz getakteten Abläufen nicht erfassen.“ Gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen möchte sie sich dafür einsetzen, den Klinikalltag so zu verändern, dass betroffene Patienten in dieser schwierigen Situation weniger Druck und Anspannung, sondern mehr Vertrautheit und Sicherheit erfahren.

(v.l.n.r.) Sandra Riechers (GRN-Klinik Weinheim), Christiane Schneeweiß (GRN-Klinik Weinheim), Martina Schildhauer (alwine Stiftung), Dr. med. Florian von Pein (GRN-Klinik Weinheim) und Friedhilde Walter (alwine Stiftung) waren sich einig: Die Demenzbegleitung im Krankenhaus ist bereits jetzt unverzichtbar!

Letzte Aktualisierung 01.03.18