GRN
Die Gesundheitszentren Rhein-Neckar

Pressemitteilung

12.07.2019

„Ein Sturm geht durch den Körper!“

Vortrag in der GRN-Klinik Schwetzingen befasste sich mit dem Zusammenhang zwischen seelischem Leiden und dem sogenannten Broken-Heart-Syndrom

Das „Broken-Heart-Syndrom“, auch als Stress-Kardiomyopathie oder Takotsubo-Syndrom bekannt, weist die Symptome eines klassischen Herzinfarkts auf, allerdings liegt keine Durchblutungsstörung des Herzens vor. Da es häufig durch starken emotionalen oder körperlichen Stress ausgelöst wird, geht man als Ursache eher von einer überstarken Ausschüttung von Stresshormonen und einer dadurch verursachten Schädigung des Herzmuskels aus. Zusätzlich spielen vermutlich Spasmen (Verkrampfungen) der Kranzarterien des Herzens eine bedeutsame Rolle. Wie genau diese Wechselwirkung zwischen Seele und Herz zustande kommt, war von Professor Dr. med. Bernd Waldecker, Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin I der GRN-Klinik Schwetzingen, zu erfahren. In seinem Vortrag am 9. Juli 2019 im Rahmen der Reihe „Im Zentrum Gesundheit“ berichtete er über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu diesem Krankheitsbild und informierte die Zuhörer über Möglichkeiten der Akut- und Langzeittherapie.

Emotionaler Stress als Auslöser

„Atemnot, erhöhte Herzfrequenz, niedriger Blutdruck, Beklemmungs- und Angstgefühl – alles deutete auf einen Herzinfarkt hin, bis wir die 74-jährige Patientin dann genau untersuchten und feststellten, dass nicht der übliche Verschluss eines Herzkranzgefäßes vorlag. Es handelte sich nicht um einen Herzinfarkt, sondern um das Broken-Heart-Syndrom.“ Mit diesem Fallbeispiel begann Professor Waldecker seinen Vortrag und führte aus, dass bei der betroffenen Patientin die Form der linken Herzkammer stark verändert war: Die Herzspitze war ballonartig erweitert, so dass weniger Blut  in den Körper gelangen konnte. Nach diesem Erscheinungsbild gaben japanische Ärzte der Krankheit einen eigenen Namen – Takotsubo-Syndrom, da im Akutfall die Form der Herzkammer an das traditionelle Gefäß Takotsubo erinnert, das als Tintenfischfalle verwendet wird. „Auslöser für die Krankheit ist fast immer emotionaler Stress“, so der Kardiologe. Im vorliegenden Fall hatte die Patientin durch den Besuch am Grab ihres verstorbenen Mannes ein starkes Trauergefühl empfunden. Professor Waldecker: „Diese Situation ist ein ganz typisches Beispiel. Andere Faktoren können soziale Frustration, emotionale zwischenmenschliche Ereignisse oder Gewalt und Missbrauchserfahrungen sein.“

Besonders Frauen nach der Menopause sind gefährdet

Eine Studie, bei der 1.750 Fälle des Broken-Heart-Syndroms untersucht wurden, ergab, dass es sich bei 90 Prozent der Betroffenen um Frauen nach der Menopause handelte. Grund hierfür ist der Rückgang des weiblichen Hormons Östrogen. Dieser Mangel verstärkt die lokale Wirkung des Stresshormons Katecholamin, das nach psychischen und physischen Stresssituationen ausgeschüttet wird. „Es geht ein Sturm durch unseren Körper hindurch“, beschrieb Professor Waldecker den Moment der Ausschüttung des Stresshormons. Diese ist zehn Mal höher als bei einem gewöhnlichen Herzinfarkt. Die Pumpleistung des Herzens nimmt extrem ab, und es kommt zur Verkrampfung eines Herzkranzgefäßes.

Genaue Ursachen noch weitgehend unklar

Die Akut- und Langzeittherapie des Takotsubo-Syndroms unterscheidet sich von der Behandlung des „klassischen“ Herzinfarktes in der Früh- und Spätphase deutlich. Die kathetergestützten und medikamentösen Behandlungsoptionen sind begrenzt; lediglich Betablocker erscheinen günstig. Andere Notfallmedikamente, die beim klassischen Infarkt in Frage kommen, können nutzlos oder schädlich sein. Insofern ist es wichtig, die Situation rasch zu erkennen und folgerichtig in der Akutphase zu handeln. Dies ist am besten gewährleistet in – wie in Schwetzingen – kardiologischen Fachabteilungen oder kardiologisch geführten Intensiveinheiten.

In der Langzeitbehandlung und zur Prävention eines erneuten Ereignisses wird ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt, mit Entspannungstechniken und dem Versuch der Umsteuerung bei emotional labilen Personen. „Wir haben es mit einem komplexen Erscheinungsbild zu tun“, so Professor Waldecker. „Der ganze Körper und die Seele sind aus dem Gleichgewicht geraten, weswegen wir auch eher von einem gebrochen Menschen als von einem gebrochen Herzen sprechen sollten.“

Professor Dr. Bernd Waldecker erklärte den interessierten Besucherinnen und Besuchern das „Broken-Heart-Syndrom“.

Letzte Aktualisierung 18.07.19