13 | GRNPLUS | Interdisziplinäre Palliativmedizin Eberbach Ausstattung, unser wichtigstes Medikament ist Zeit“, weiß Dr. Baumeister. Es sei wichtig zu vermitteln, dass das Team alles möglich macht, was dem Patienten guttut. Zusätzlich zur eigentlichen Betreuung der Patienten geben die Palliativ-Pflegekräfte auch Tipps und Anleitungen für die Kollegen auf den Stationen zum Thema Symptomkontrolle. Wie kann ich eine bestimmte Tumorwunde verbinden? Wie gehe ich damit um, wenn die Angst kommt? „Ab Februar können wir das sogar zweimal pro Woche machen, mit der Perspektive, dass wir hoffentlich bald eine eigene Station haben“, erzählt die Ärztin. Aktuell sind Palliativpatientinnen und -patienten noch auf allen Stationen zu finden. Symptome behandeln bedeutet nicht, dass der Patient aufgegeben wird Die meisten Palliativpatienten in Eberbach leiden an fortgeschrittenen Tumorerkrankungen. Sie kommen mit Schmerzsymptomen, Erbrechen und Übelkeit oder mit Luftnot. „Dr. Hewel ist auch Schmerztherapeut, und wir können von beiden Seiten gut betreuen“, so Dr. Baumeister. Ihr ist wichtig, ehrlich zu sein und dem Patienten zu sagen, wenn sie und ihre Kollegen die Ursachen nicht mehr behandeln können, aber alles dafür tun, dass es dem Patienten besser geht. Der Sozialdienst spielt eine wichtige Rolle im Rahmen der Palliativversorgung in Eberbach. Er besorgt etwa Hilfsmittel für die Versorgung zu Hause, spricht mit der Familie und kümmert sich um die Anbindung an das SAPV-Team (Spezialisierte ambulante Palliativversorgung). Nur so ist es möglich, dass Patienten mit einer organisierten Struktur nach Hause entlassen werden können. Viele kehren zurück, wenn weitere Symptome auftreten. Dann muss von Neuem entschieden werden, ob eine Kurzzeitpflege oder auch das Hospiz sinnvoll wären. Es gibt auch Menschen, die etwa in die Notaufnahme kommen und unter Symptomkontrolle sterben dürfen. Das Palliativteam begleitet dann beispielsweise mit Morphinen, um die Angst und Luftnot zu nehmen. Gemeinsammit Patienten und Angehörigen Entscheidungen trifft das Team immer gemeinsam mit Patient und Angehörigen. „Wir betonen immer: Wir machen nichts, was Sie nicht wollen“, sagt Dr. Baumeister. Gleichzeitig werden natürlich auch die Angehörigen mit einbezogen. Das Team erklärt, was auf sie zukommt und unterstützt sie, mit der neuen Situation umzugehen. „Manche Angehörige haben Angst, dass wir bei der Palliativbehandlung die Medikamente weglassen.“ Es geht aber vielmehr darum, die richtigen Medikamente zu finden, um die Lebensqualität zu erhalten. Dafür stehen die Eberbacher Experten in engem Kontakt mit Hausärzten und anderen Kolleginnen und Kollegen, etwa mit dem MVZ in Sinsheim, dem Onkologischen Schwerpunktzentrum unter Leitung von Dr. Johann-Wilhelm Schmier. Auch wenn irgendwann die Entscheidung fällt, die Chemotherapie abzubrechen, kann es mithilfe der Palliativmedizin noch lange und weitgehend symptomfrei weitergehen. Um das zu verstehen und zu akzeptieren, brauchen Patienten und Angehörige Zeit. Komplexe Fragen besprechen Dr. Baumeister und Dr. Hewel immer gemeinsam. Palliativmedizin früh einbeziehen Dr. Baumeister wünscht sich, dass Kollegen bei der Behandlung schwerkranker Menschen so früh wie möglich einen Palliativmediziner hinzuziehen, auch wenn aktuell beispielsweise noch eine Chemotherapie indiziert ist. Wenn der Patient aus der Chemo entlassen wird, können sich die SAPV-Mitarbeiter vorstellen. Sobald das Team eingebunden ist, haben die Patienten eine sichere Anlaufstelle, bei der sie sich rund um die Uhr melden können. Das ist für viele sehr beruhigend. Dass die Zusatzausbildung Palliativmedizin nur für Fachärzte möglich ist, macht für Dr. Baumeister durchaus Sinn. „Gerade für den Umgang mit den Patienten und Angehörigen braucht man schon eine gewisse Erfahrung.“ Das Einzugsgebiet in Eberbach ist groß. Teilweise kommen Patienten aus Heidelberg. Besondere kleine Momente geben viel Kraft Auch wenn der Alltag belastend sein kann, ist die Zufriedenheit des Teams, wirklich etwas zu bewirken, deutlich spürbar. Es gibt immer wieder diese wunderbaren Momente, aus denen die Mitarbeiter viel Kraft ziehen. Etwa wenn sie kleine Wünsche erfüllen können, die die Augen der Menschen zum Leuchten bringen. An eine Situation erinnert sich Dr. Baumeister noch genau. Ein Patient mit einer künstlichen Luftröhrenöffnung und einem künstlichen Darmausgang konnte mitteilen, dass er gerne mal wieder eingelegte Aprikosen aus der Dose schmecken würde. „Die betreuende Palliativschwester kaufte sie für den Patienten. Auch wenn er nur ein, zwei Löffelchen essen konnte, war ihm die Freude deutlich anzusehen. Uns allen ging das Herz auf, das war wirklich schön.“ ks Die Kontaktdaten der Ansprechpartner finden Sie ab Seite 33. Dr. Julia Baumeister | Foto: GRN Dr. Markus Hewel | Foto: GRN
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