Für jeden Patienten die optimale Therapie

Interview mit Prof. Dr. Christoph Eisenbach, Chefarzt der Abteilung Innere Medizin, Gastroenterologie und Diabetologie der GRN-Klinik Weinheim, über Vorsorge, Therapien und Nachsorge bei Darmkrebs


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Rund 60.000 Menschen in Deutschland erkranken jedes Jahr an Darmkrebs. Entscheidend für den Behandlungserfolg ist eine individuell angepasste, interdisziplinär abgestimmte Therapie. In der GRN-Klinik Weinheim werden Patienten nach den Empfehlungen der Deutschen Krebsgesellschaft behandelt. Wir haben uns mit Prof. Dr. Christoph Eisenbach, Chefarzt der Abteilung Innere Medizin, Gastroenterologie und Diabetologie und stellvertretender Leiter des Darmkrebszentrums unterhalten.

Herr Prof. Dr. Eisenbach, wie wichtig ist die Vorsorge, wenn man Darmkrebs verhindern möchte?

Prof. Dr. Eisenbach: Nahezu 30.000 Menschen sterben pro Jahr in Deutsch-land an Darmkrebs. Deshalb kommt der Vorsorge eine ganz besondere Bedeutung zu – insbesondere da hier, im Gegensatz zu anderen Krebsarten, nicht ein Krebs in einem Frühstadium gefunden werden soll, sondern bereits die Krebsvorstufen entfernt werden können. Der Nutzen der Darmkrebsvorsorge ist in großen Studien gut belegt. In Deutschland wird die Vorsorge für Männer in der Regel ab dem 50. und für Frauen ab dem 55. Lebensjahr empfohlen. Alternativ zu einer Darmspiegelung, eine sogenannte Koloskopie, kann ein Stuhltest durchgeführt werden, der bei auffälligem Befund allerdings durch eine Spiegelung ergänzt werden muss.

Wie funktioniert eine Darmspiegelung?

Prof. Dr. Eisenbach: Die Darmspiegelung ist derzeit der Goldstandard mit einer Genauigkeit von über 95 Prozent. Die Komplikationsrate wird von der Koloskopie-Begleitforschung in Deutschland mit etwa 0,2 Prozent angegeben. Daher kann die Koloskopie als sehr sicher angesehen werden. Die Spiegelung wird heute in der Regel in einer Kurznarkose durchgeführt. Die Vorbereitung erfolgt durch eine sorgfältige Darmreinigung, für die es verschiedene Vorgehensweisen gibt. Diese sollten mit dem Untersucher beim Aufklärungsgespräch thematisiert werden. Die Darmreinigung ist heute aufgrund besserer Anwendungsmöglichkeiten deutlich weniger unangenehm.

Welche Rolle spielt die erbliche Vorbelastung und was sind weitere Risi-kofaktoren, an Darmkrebs zu erkranken?
Prof. Dr. Eisenbach: Bei familiärer Häufung sowie bestimmten genetischen Konstellationen ist das Darmkrebs-Risiko erhöht. Es gibt jedoch auch beeinflussbare Risikofaktoren. Dazu gehört vor allem ein gesunder Lebensstil:  wenig Alkohol, nicht rauchen, körperliche Aktivität, Übergewicht reduzieren und gesunde Ernährung mit Verzicht auf rotes Fleisch. Hier kann jeder Mensch sein persönliches Risiko beeinflussen.

Welche Möglichkeiten zur Therapie haben Sie?

Prof. Dr. Eisenbach: Wichtig sind eine gute Diagnostik, chirurgische, onkologische und gegebenenfalls strahlentherapeutische Therapien. Der interdisziplinären Abstimmung im Tumorboard kommt dabei die zentrale Rolle zu. Dabei besprechen Gastroenterologen, Chirurgen, Strahlentherapeuten, Onkologen, Radiologen und Pathologen auf der Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse für jeden Patienten die optimale Therapie. Patienten profitieren bei Vorsorge, Therapie und Nachsorge außerdem von einer engen Verzahnung der Klinik mit den niedergelassenen Fach- und Allgemeinärzten.

Sicherlich haben aktuell viele Menschen ihre Termine zur Vorsorge und zur Therapie in der Klinik während Corona verschoben. Wie nehmen Sie den Menschen die Angst vor einem Termin in diesen Zeiten?

Prof. Dr. Eisenbach: Tatsächlich ist die Zahl der Vorsorgeuntersuchungen während der Corona-Pandemie zurückgegangen. Hier möchte ich darauf hin-weisen, dass das Infektionsrisiko durch Hygiene- und Testkonzepte in medi-zinischen Einrichtungen sehr gering ist. Auch muss gegen das Risiko einer unterlassenen Behandlung abgewogen werden.

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